Mein Lesesommer 2026: Diese Bücher habe ich gelesen und gehört

Porträt zum Lesesommer 2026 mit Büchern und persönlichen Empfehlungen
Mein Lesesommer 2026: fünf Bücher, die ich gelesen oder gehört habe

Fünf Bücher haben mich durch den Sommer 2026 begleitet. Von queerer erster Liebe über melancholische Erinnerungen bis zum Thriller: meine persönlichen Ratings zu „Restsommer“, „Daisy“, „Im Wasser sind wir schwerelos“, „Damals im Sommer“ und „Laute Nächte“.

Der Sommer ist vorbei. Zumindest kalendarisch. Und als ich mir überlegt habe, welche Bücher mich in den vergangenen Monaten begleitet haben, ist mir etwas aufgefallen, was nicht sonderlich überraschend ist: Viele der Bücher, die ich gelesen habe, erzählen selbst vom Sommer.

Nur bedeutet Sommer in diesen Geschichten jedes Mal etwas anderes. Mal steht er für erste Liebe und Aufbruch, mal für eine kurze Phase von Freiheit, mal für Erinnerungen, die auch Jahre später nicht verschwinden. Und bei Melanie Raabes „Daisy“ ist der Sommer sogar etwas, das die Protagonistin am liebsten ganz abschaffen würde.

Dazwischen habe ich gehört, gelesen, Bücher ziemlich schnell verschlungen und bei anderen ein bisschen gebraucht, bis ich wirklich drin war. Deshalb gibt es hier keine ausführliche Rezension zu jedem Titel. Sondern einfach meinen Lesesommer 2026 in fünf Büchern: Worum geht es, was ist bei mir hängen geblieben und wie viele Sterne gibt es?

Restsommer von Kea von Garnier

Gelesen | ★★★★½ 4,5 von 5 Sternen

Buchcover von „Restsommer“ von Kea von Garnier
„Restsommer“ von Kea von Garnier gehört für mich zu den stärksten Büchern meines Lesesommers 2026

Es ist Sommer 2003. Dominik ist 16, lebt in einer niedersächsischen Kleinstadt und sein Leben scheint eigentlich schon ziemlich genau festzustehen. Irgendwann soll er das Bestattungsinstitut seines Vaters übernehmen. Dann kommt Biff aus Berlin in seine Klasse. Und mit ihm die Frage, ob dieses vorgezeichnete Leben wirklich das eigene sein muss.

Ich mochte an „Restsommer“ vor allem die Atmosphäre. Freibad, Hitze, Musik, Kleinstadt und erste Liebe. Dazu dieses sehr jugendliche Gefühl, dass außerhalb des eigenen kleinen Kosmos irgendwo ein anderes, größeres Leben warten muss.

Das Buch hat dabei etwas angenehm Unaufgeregtes. Mir war manches ein bisschen vorhersehbar und an einigen Stellen hätte die Geschichte für mich durchaus noch mutiger sein können. Aber gerade die Mischung aus Nostalgie, queerer Selbstfindung und Sommerstimmung hat bei mir ziemlich gut funktioniert.

Meine Bewertung: ★★★★½

Meine ausführliche Rezension zu „Restsommer“

Im Wasser sind wir schwerelos von Tomasz Jedrowski

Gelesen | ★★★★½ 4,5 von 5 Sternen

Buchcover von „Im Wasser sind wir schwerelos“ von Tomasz Jedrowski
„Im Wasser sind wir schwerelos“ von Tomasz Jedrowski habe ich diesen Sommer noch einmal gelesen

„Im Wasser sind wir schwerelos“ hatte ich schon einmal gelesen. Diesen Sommer habe ich das Buch noch einmal hervorgeholt.

Im Zentrum stehen Ludwik und Janusz, die sich im Polen der frühen 1980er-Jahre kennenlernen. Ein gemeinsamer Sommer am See wird für beide zu einer kurzen Zeit außerhalb des normalen Lebens. Sie verlieben sich. Aber während ihre Beziehung dort fast schwerelos wirkt, wartet außerhalb dieses Sommers eine Gesellschaft, in der ihre Liebe keinen selbstverständlichen Platz hat.

Ich finde das Buch noch immer unglaublich melancholisch. Vielleicht hat es mich beim zweiten Lesen sogar stärker beschäftigt als beim ersten Mal. Es geht zum einen darum, jemanden zu lieben. Aber auch darum, welche Entscheidungen Menschen treffen, wenn Liebe, Sicherheit, politische Überzeugungen und gesellschaftlicher Druck plötzlich gegeneinanderstehen.

Und darüber, was Jahrzehnte später von einer Beziehung bleibt, die vielleicht nur für einen kurzen Moment wirklich frei sein konnte. Gerade nach meiner Reise nach Danzig hat sich das Buch für mich noch einmal etwas anders gelesen. Orte und politische Atmosphäre waren plötzlich weniger abstrakt.

Meine Bewertung: ★★★★½

Meine ausführliche Rezension zu „Im Wasser sind wir schwerelos“

Damals im Sommer von Florian Gottschick

Gelesen | ★★★★ 4 von 5 Sternen

Damals im Sommer von Florian Gottschick

Und noch ein Sommer, an den sich jemand erinnert. „Damals im Sommer“ schaut zurück auf Jugend, Familie, Begehren und auf Erfahrungen, die sich erst Jahre später richtig einordnen lassen. Gerade diese rückblickende Perspektive mochte ich sehr.

Der Roman hat für mich etwas Filmisches. Einzelne Bilder, Situationen und Stimmungen bleiben hängen, ohne dass alles bis ins Letzte erklärt werden muss. Gleichzeitig war genau das auch mein kleiner Kritikpunkt: Ich hätte gerne mehr gehabt.

Vor allem die Beziehung zwischen den Brüdern und einige Figuren hätten für mich noch deutlich mehr Raum vertragen. Das Buch war für mich deshalb ein bisschen schneller vorbei, als ich wollte. Vielleicht ist das aber auch ein Kompliment. Was hängen bleibt, ist wieder dieser Sommer als besonderer Erinnerungsraum. Eine Zeit, die irgendwann vorbei ist, aber trotzdem nicht wirklich verschwindet.

Meine Bewertung: ★★★★

Meine ausführliche Rezension zu „Damals im Sommer“

Laute Nächte von Anne Freytag

Gehört | ★★★★ 4 von 5 Sternen

Buchcover von „Laute Nächte“ von Anne Freytag
„Laute Nächte“ von Anne Freytag habe ich in diesem Sommer als Hörbuch gehört

Mit „Laute Nächte“ hatte ich es am Anfang nicht ganz leicht. Ich habe das Hörbuch gehört und brauchte eine Weile, bis ich verstanden hatte, wohin die Geschichte eigentlich will. Gerade zu Beginn wirkte manches auf mich etwas schwer greifbar.

Aber irgendwann hat sich das verändert. Je stärker die Figuren und ihre gemeinsame Vergangenheit in den Mittelpunkt rückten, desto mehr hat mich die Geschichte bekommen. Besonders mochte ich den melancholischen Blick zurück und die Frage, wie Freundschaften sich über Jahre verändern.

Es geht in „Laute Nächte“ um Verlust, Trauer, Beziehungen und darum, wie Menschen weitermachen, wenn das eigene Leben irgendwann nicht mehr so aussieht, wie man es sich einmal vorgestellt hat. Später rücken auch Kenni und Elif stärker in den Fokus. Das hat für mich gut funktioniert und der Geschichte noch einmal eine andere Ebene gegeben.

Anne Freytag schreibt dabei sehr emotional und manchmal auch ziemlich bedeutungsschwer. Ich kann verstehen, wenn das einigen Leser:innen oder Hörer:innen irgendwann zu viel wird. Bei mir hat es überwiegend funktioniert.

Vor allem, weil unter all der Melancholie eine ziemlich interessante Frage steckt: Was bleibt eigentlich von den Menschen und Beziehungen, von denen wir einmal dachten, dass sie für immer zu unserem Leben gehören würden? Da ich nun ja auch keine 20 mehr bin, konnte ich mit den unterschiedlichen Stationen im Leben, von denen sie erzählt, viel anfangen.

Meine Bewertung: ★★★★

Daisy von Melanie Raabe

Gelesen | ★★★★½ 4,5 von 5 Sternen

DAISY von Melanie Raabe habe ich gerade erst beendet

Und dann kam zum Ende meines Lesesommers ausgerechnet ein Buch, dessen Protagonistin mit dem Sommer überhaupt nichts anfangen kann.

Luca ist Anwältin in Berlin. Tagsüber arbeitet sie mit dem Recht, nachts nimmt sie die Gerechtigkeit gelegentlich selbst in die Hand. Menschen, die ihrer Meinung nach mit ziemlich üblen Dingen davongekommen sind, bekommen Besuch von ihr. Ihr Markenzeichen: ein Gänseblümchen. Irgendwann dreht allerdings jemand den Spieß um. Luca wird selbst beobachtet und verfolgt.

„Daisy“ ist ein Thriller, aber Melanie Raabe erzählt die Geschichte auf mehreren Ebenen. Eine davon führt zurück in Lucas Jugend und zu einem Sommer, der erklärt, warum sie die warme Jahreszeit bis heute nicht besonders mag.

Damals gibt es einen Freund, einen Sprungturm und ein Erlebnis, das diesen Sommer für Luca für immer verändert. Mehr möchte ich dazu eigentlich gar nicht sagen, weil gerade die Frage, was damals passiert ist, ein wichtiger Teil der Geschichte ist.

Für diesen Artikel finde ich „Daisy“ aber gerade deshalb spannend. In den anderen Büchern meines Sommers steht die Jahreszeit häufig für Freiheit, erste Liebe oder eine Zeit, nach der sich die Figuren später zurücksehnen. Bei Luca ist es genau andersherum. Der Sommer ist eine Erinnerung, vor der sie am liebsten davonlaufen würde.

Das fand ich als Motiv ziemlich stark. Auch darüber hinaus hat „Daisy“ für mich sehr gut funktioniert. Ich mochte die moralischen Fragen rund um Lucas Selbstjustiz, das Spiel mit Schuld und Gerechtigkeit und diese leicht ungewöhnliche Ebene, die Melanie Raabe ihren Geschichten gerne gibt.

Nicht alles daran muss man komplett realistisch finden. Aber ich wollte ziemlich schnell wissen, wie es weitergeht. Und das ist bei einem Thriller am Ende ja eines der wichtigsten Kriterien.

Meine Bewertung: ★★★★½

Meine ausführliche Rezension zu „Daisy“ von Melanie Raabe

Welches Buch war mein Favorit im Sommer 2026?

Einen eindeutigen Sieger habe ich diesmal eigentlich nicht. „Restsommer“ hatte wahrscheinlich das stärkste klassische Sommergefühl. Bei „Im Wasser sind wir schwerelos“ ist es diese Melancholie, die auch nach dem Lesen noch bleibt. Und „Daisy“ war von den fünf Büchern vermutlich dasjenige, das mich am stärksten dazu gebracht hat, schnell weiterzulesen.

Es war ein sehr guter Lesesommer für mich. Und nach dem Lesesommer geht es natürlich direkt weiter: Auf Empfehlung von Gunda von Buch ImBusch in Bochum fange ich jetzt mit „Klapper“ von Kurt Prödel an. Der Coming-of-Age-Roman spielt 2011 und erzählt von Außenseitertum, Freundschaft, Computerspielen und Erwachsenwerden. Ich bin gespannt, ob mich Gundas Empfehlung genauso bekommt wie sie.

Ja, so wird der Abschnitt persönlicher und erklärt gleichzeitig, wo Lesen in deinem Alltag überhaupt stattfindet. Das Foto passt dann auch inhaltlich besser dazu:

Wo ich eigentlich lese

Ich bin ziemlich viel mit dem Zug unterwegs und lese dort tatsächlich besonders gerne. Ein paar Kapitel zwischen Bochum und Köln funktionieren für mich oft besser als zu Hause auf dem Sofa. Genauso gerne sitze ich mit einem Buch im Café, zum Beispiel im STÜH33 in Bochum, wo auch das Foto zu diesem Beitrag entstanden ist.

Und ich versuche inzwischen, abends im Bett öfter noch ein paar Seiten zu lesen, statt eine halbe Stunde auf dem Handy zu doomscrollen. Klappt natürlich nicht immer, fühlt sich aber meistens deutlich besser an.

Wenn ihr einen ähnlichen Buchgeschmack habt oder sehen wollt, was ich gerade lese: Ihr findet mich auch auf Goodreads. Dort sammle ich meine gelesenen Bücher, Bewertungen und das, was noch auf meiner Leseliste steht.

PS: Mehr Buchtipps, Filmkritiken, Serienempfehlungen und Kulturtipps findet ihr in meiner Rubrik Kino und Kultur.

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