
„The Drama“ sieht aus wie eine RomCom, benimmt sich aber wie ein Nervenzusammenbruch. Das macht den Film mit Robert Pattinson und Zendaya für mich zu einem der besten des Jahres. Denn aus romantischer Nervosität wird schnell etwas sehr viel Schrägeres und Unangenehmeres. Eine Kritik über einen Film, der seine eigenen RomCom-Elemente konsequent vergiftet.
Inhalt
Mit Vorwissen, aber ohne Spoiler
Vor dem Kinobesuch hatte ich schon einiges über „The Drama“ mitbekommen, wollte mich aber bewusst nicht spoilern lassen. Ich wusste nur: In diesem Film gibt es eine Wendung oder ein Geheimnis, über das in den USA ziemlich heftig diskutiert wurde. Mehr wollte ich gar nicht wissen. Gerade deshalb bin ich mit einer seltsamen Mischung aus Neugier und Vorsicht ins Kino gegangen.
Ich hatte eine schräge RomCom erwartet, vielleicht etwas Provokantes. Was ich dann gesehen habe, war deutlich interessanter: ein Film, der seine eigene Oberfläche langsam vergiftet und einen als Zuschauer:in ziemlich bewusst in eine moralisch unbequeme Position bringt. Darf man über das, was man da sieht, herzhaft lachen?
Der Inhalt
Auf dem Papier klingt „The Drama“ zunächst fast harmlos: Ein verlobtes Paar wird kurz vor der Hochzeit durch eine unerwartete Wendung auf die Probe gestellt. So beschreibt es A24 selbst ziemlich knapp.
Robert Pattinson spielt Charlie Thompson, einen britischen Museumskurator in Boston beziehungsweise Cambridge. Zendaya spielt Emma Harwood, eine literarische Lektorin. Die beiden lernen sich in einem Café kennen, erleben eine schnelle, intensive Beziehung und planen ihre Hochzeit. Dann bringt ein Trinkspiel mit der Frage „Was ist das Schlimmste, das du je getan hast?“ eine Enthüllung ans Licht, die alles verschiebt.
Wenn aus Romantik Kontrollverlust wird
Das könnte der Stoff für eine leicht verschobene RomCom sein. Ein schönes, gutbürgerliches Paar, bei dem die Hochzeit bevorsteht, ein paar Neurosen, ein paar Missverständnisse, am Ende vielleicht doch die große Versöhnung. Aber „The Drama“ macht etwas viel Interessanteres: Der Film nimmt diese bekannten Elemente und dreht sie langsam ins Absurde. So wird aus romantischer Nervosität langsam ein Kontrollverlust und die Zuschau:innen fragen sich immer häufiger: „Was passiert hier eigentlich?“. Genau das ist für mich die große Stärke dieses Films.
Der Film stammt von Kristoffer Borgli, der zuvor „Sick of Myself“ und „Dream Scenario“ gemacht hat. In den Press Notes wird „The Drama“ als zeitgenössische, sexy Romantic Comedy beschrieben, aber eben nicht im klassischen Sinn. Borgli interessiert sich laut eigener Aussage für die Spannung zwischen Gefühl und Vernunft in Beziehungen: Wie viel Wahrheit hält Liebe aus, wenn das Bild des anderen plötzlich kippt?

Ein Meet Cute, der schon falsch beginnt
Aber mal alles auf Anfang. Wer genau hinschaut, merkt schnell, wie früh der Film seine eigene RomCom-Mechanik sabotiert. Das beginnt schon beim Meet Cute im Café.
Eigentlich ist das eine klassische Szene: Zwei Menschen begegnen sich zufällig. Die Situation ist etwas unangenehm, es passiert dem Paar ein Missgeschick und das Publikum weiß, die beiden gehören zusammen.
Bei „The Drama“ fühlt sich dieser Moment aber von Anfang an unangenehm an. Charlie ist nicht einfach nur sympathisch awkward. Er wirkt schon in dieser ersten Begegnung leicht daneben, fast so, als würde hinter der höflichen Fassade schon etwas arbeiten, das später außer Kontrolle gerät.
So beginnt er die Beziehung auch mit einer Lüge: Er gibt vor, ein Buch gelesen zu haben, das Emma erwähnt, obwohl er es offensichtlich nicht kennt. Eigentlich wäre das in einer klassischen RomCom ein harmloser kleiner Trick, ein unbeholfener Versuch, interessant zu wirken. Hier bekommt diese Lüge aber sofort einen anderen Beigeschmack. Sie ist der erste kleine Riss in einer Beziehung, die von Anfang an auf Projektion, Unsicherheit und Selbstinszenierung gebaut ist.
Genau das macht der Film ziemlich klug. Er nimmt den vertrauten Meet-Cute im Café, also eines der ältesten RomCom-Versprechen überhaupt, und vergiftet ihn leise. Aus dem charmanten Anfang wird rückblickend der erste Hinweis darauf, dass Charlie Emma nicht einfach kennenlernt, sondern sich sehr schnell ein Bild von ihr baut, an dem er später fast zwanghaft festhalten will.
Robert Pattinson zerlegt den nervösen Bräutigam
Ich mochte Robert Pattinson in diesem Film sehr. Charlie könnte leicht eine nervige Figur sein. Ein Mann, der ausrastet, weil sein Selbstbild beschädigt wird. Ein Mann, der sich für sensibel hält, aber unter Druck plötzlich ziemlich hässlich wird. In einer schwächeren Version dieses Films wäre das platt gespielt. Pattinson macht das aber ziemlich gut. Er spielt Charlie als jemanden, der an seiner eigenen Vorstellung von sich selbst zerfällt.
Das ist oft wahnsinnig komisch, aber nie nur komisch. Charlie will vermutlich ein guter Mensch sein, der auf die Enthüllung beim Trinkspiel total reflektiert und umsichtig reagiert. Einer, die komplexen Dinge aushält und nicht sofort urteilt, so wie seine Freunde. Aber sobald diese Haltung praktisch wird, sobald sie nicht mehr als schöne Selbstbeschreibung reicht, wird es für ihn unerträglich.
Pattinson spielt diesen Kontrollverlust brillant. Man kann ihm fast beim Denken und Scheitern zusehen: Sein Charlie wird immer schiefer, immer manischer, immer weniger souverän. Das ist teilweise absurd, aber größtenteils auch unangenehm gut.
Die RomCom als Nervenzusammenbruch
Was „The Drama“ so gut macht: Der Film sieht erst so aus, als kenne man seine Form. Er hat diese klassischen Elemente einer romantischen Komödie. Das Paar. Die Hochzeit. Die Freund:innen. Die schöne, geschmackvoll eingerichtete Welt. Das kleine soziale Theater rund um Liebe, Zukunft und Paaridentität. So schön, so langweilig.
Aber dann gibt es keine romantischen Missverständnisse, sondere eine moralische Zumutung. Aus der Hochzeitsvorbereitung wird ein psychologischer Stresstest. Aus der Frage „Passen diese beiden zusammen?“ wird etwas viel Unbequemereres: Wie viel Wahrheit hält Liebe aus? Und wie viel Wahrheit hält vor allem das eigene Selbstbild aus? Das ist der Punkt, an dem „The Drama“ für mich deutlich spannender wird als viele andere Filme, die nur behaupten, Genregrenzen zu verschieben.
Diese körnige, unruhige Ästhetik
Neben dem Humor mochte ich vor allem die Ästhetik. Der Film hat etwas Körniges, leicht Raues, nicht komplett Sauberes. Das passt enorm gut zu dem, was erzählt wird.
Denn oberflächlich ist diese Welt ziemlich geschmackvoll. Schöne Menschen, schöne Räume, gute Kleidung, ein intellektuelles Milieu, alles wirkt irgendwie kuratiert. Man könnte daraus problemlos eine sehr glatte Indie-RomCom machen.
Aber das Bild arbeitet dagegen. Diese Körnung legt Unruhe über die Oberfläche. Sie macht die Bilder weniger perfekt und ebenso unbequem. Als würde die RomCom schon visuell anfangen zu zerfallen, bevor die Figuren es selbst merken. Das fand ich stark. Vor allen Dingen auch deshalb, weil viele Hochzeitsfotograf:innen mit genau dieser filmischen, körnigen Ästhetik spielen und so versuchen, Hochzeiten romantisch in eine scheinbar zeitlose, analoge Erinnerung zu verwandeln.

Die Promo war Teil des Problems, aber auch Teil der Wirkung
Interessant ist, dass „The Drama“ schon vor und während des Kinostarts stark über seine Vermarktung diskutiert wurde. Der offizielle Trailer und die Kampagne spielten offenbar bewusst mit vertrauten Bildern sowie Hochzeits- und RomCom-Codes.
Gleichzeitig gab es deutliche Kritik daran, dass der Film ein sehr sensibles Thema als großen Twist einsetzt und dieses in der Vermarktung kaum sichtbar gemacht wurde. In mehreren US-Medien wurde diskutiert, ob das Marketing dadurch irreführend war. Kritiker:innen und Betroffene warfen dem Film beziehungsweise seiner Kampagne vor, das Publikum unter RomCom-Vorzeichen in eine deutlich härtere Geschichte zu ziehen. (Siehe Variety)
Diese Kritik kann man nicht einfach wegwischen. Der Film berührt ein Thema, bei dem Tonfall, Trigger und Verantwortung nicht nebensächlich sind. Gerade wenn echte gesellschaftliche Gewalt im Hintergrund steht, reicht es nicht, nur auf künstlerische Provokation zu verweisen.
Und trotzdem, oder gerade deshalb, fand ich die Reibung interessant. Denn die Vermarktung macht im Grunde etwas Ähnliches wie der Film selbst: Sie zeigt eine vertraute Oberfläche und lässt darunter etwas sehr viel Dunkleres lauern. Das kann man manipulativ finden. Man kann es aber auch als Teil der Erfahrung begreifen. „The Drama“ kommt als RomCom zur Tür rein und benimmt sich dann wie ein Nervenzusammenbruch. Für mich funktioniert das.
Warum „The Drama“ trotzdem nicht einfach geschmacklos ist
Die heikle Frage ist: Nutzt „The Drama“ sein dunkles Thema nur als Schockeffekt? Ganz ausräumen lässt sich dieser Vorwurf nicht. Es gibt Momente, in denen der Film sehr deutlich auf maximale Irritation setzt. Man spürt Borglis Lust daran, das Publikum in eine unbequeme Position zu bringen. Das kann stark sein. Es kann aber auch schnell selbstgefällig wirken.
Für mich kippt der Film nicht ins Geschmacklose, weil er weniger an der Tatfantasie interessiert ist als an den Reaktionen darauf. Defacto passiert nichts und ist auch nie etwas passiert in der Vergangenheit von Emma. Der Film beobachtet, wie Menschen mit einer Information umgehen, die nicht mehr in ihr moralisches Ordnungssystem passt und so ihre Empathie verlieren. Klar, das macht den Film jetzt nicht automatisch unproblematisch. Aber es macht ihn relevanter als eine bloße Provokation.
Mein Fazit: Unbedingt ansehen
„The Drama“ ist einer der besten Filme, die ich dieses Jahr gesehen habe. Ich mochte seine Ästhetik, diesen körnigen, leicht unruhigen Look. Ich mochte den Humor, der oft genau dort entsteht, wo andere Filme sofort ernst oder moralisch eindeutig würden. Ich mochte, wie konsequent der Film die Elemente einer RomCom nimmt und ins Absurde dreht. Und ich mochte besonders Robert Pattinson, der hier keinen klassischen nervösen Bräutigam spielt, sondern einen Mann, der an seinem eigenen Selbstbild verrückt wird.
Bewertung: 4 von 5 Sternen
Fakten zum Film

Titel: Das Drama: Noch mal auf Anfang
Originaltitel: The Drama
Regie und Drehbuch: Kristoffer Borgli
Mit: Zendaya, Robert Pattinson, Alana Haim, Mamoudou Athie, Hailey Gates, Zoe Winters
Land: USA
Jahr: 2026
Genre: Drama, Komödie, Romantik
Länge: 106 Minuten
FSK: 12
Deutscher Kinostart: 2. April 2026
Verleih in Deutschland: LEONINE Studios
Studio USA: A24
Mehr Filmkritiken, Serienempfehlungen und Kulturtipps findet ihr in meiner Rubrik Kino und Kultur.

PS: Eine kleine Einschränkung: Der Film arbeitet mit einem sehr sensiblen Thema. Wenn ihr euch vorher informieren wollt, kann ich das verstehen. Wer die volle Wirkung erleben möchte, sollte sich aber möglichst wenig spoilern lassen.

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