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Ruhrpott

„So grün ist das Ruhrgebiet“: Neues Buch mit wunderschönen Naturlandschaften des Reviers

Die Ruhr bei Wickede, seit 2013 werden Flussabschnitte der Ruhr, die vorher Kanal-artig ausgebaut waren, renaturiert, Sandbänke angelegt und Uferbereiche entfesselt

Das Ruhrgebiet ist grün. Das Ruhrgebiet ist schön. Die Zeiten der schlechten Luft, des staubigen Schnees, der verrußten Wäsche auf der Leine und vor allem auch die Zeiten der Atemnot sind lange, lange vorbei – und heute nur noch ein Mythos. Ein neuer Bildband dokumentiert nun auf fast 200 Seiten die grüne Schönheit des Reviers.

Wer heute das Ruhrgebiet bereist, ist oft überrascht. Der Blick fällt auf eine vielfältige Natur mit Wäldern, Flüssen, Seen, Parks, Gärten und Halden, die alle hartnäckigen Vorurteile über den ach so tristen Ruhrpott mühelos widerlegen. Jochen Tack dokumentiert in seinem neuen Buch: Von wegen alles grau und städtisch – das Ruhrgebiet bietet auch echte Erholungslandschaften. Faszinierende Bilder des Fotografen präsentieren die schönsten grünen Seiten des Ruhrgebiets – vom reizvollen Ruhrtal bis zu den idyllischen Rheinauen, vom Emscher Landschaftspark und der renaturierten Emscher über die sanften Hügel der Elfringhauser Schweiz bis zum neuen Grün auf den Industriebrachen. Ein Bildband für alle, die das Ruhrgebiet lieben, ideal natürlich auch als Weihnachtsgeschenk für Tante, Oma oder Onkel ;)!


Jochen Tack: So grün ist das Ruhrgebiet.
Die bezaubernden Naturlandschaften des Reviers

Festeinband, 192 Seiten
Illustration: zahlr. farb. Abb.

ISBN 978-3-8375-2582-3
24,95 Euro

Klartext Verlag


Interview mit Fotograf Jochen Tack

Lieber Jochen Tack, Sie erzählen im Vorwort Ihres neuen Buches „So grün ist das Ruhrgebiet“, dass Sie zunächst nicht angetan waren von der Idee, einen weiteren Bildband zum Revier zu veröffentlichen. Warum haben Sie sich dann doch entschieden, bei diesem Projekt dabei zu sein?

In den letzten rund 30 Jahren habe ich sehr oft mitgearbeitet an Veröffentlichungen über das Ruhrgebiet: Reportagen, Reise-Bücher, Bildbände, Kalender, usw. Das spannende Arbeiten direkt vor meiner Haustüre hat immer viel Spaß gemacht. Aber es ist schwer, die tollen Locations in immer wieder neuem Licht zu zeigen. Der Reiz ergab sich dann aus dem ungewöhnlichen Buchkonzept, das Revier von seiner grünen Seite zu zeigen. Die habe ich zwar immer schon mit-fotografiert, aber meistens standen die rostroten Industrie Denkmale der Industriekultur im Fokus.

Was hat Sie am meisten beeindruckt, als Sie das grüne Ruhrgebiet erkundet haben?

Ich dachte, ich kenne schon fast alle Ecken im Revier. Weit gefehlt. Wenn man bewusst auf die grünen Seiten schaut, entdeckt man immer neue Regionen, die man vorher so nicht auf dem Schirm hatte. Wie den Diersforter Wald oder die Region östlich von Dortmund. Da bin ich bisher meist nur durchgefahren. Heute empfehle ich jedem, der meint, sich auszukennen, einfach noch einmal neu hinzuschauen. Vielleicht gibt mein Buch hierzu Anregungen.

Welche Ecken haben sich besonders verändert in den vergangenen Jahren – und wo lohnt es sich, einmal genauer hinzusehen?

Am augenfälligsten ist natürlich die Verwandlung der Emscher, beispielsweise am Wasserkreuz in Recklinghausen. Zu meinen Lieblingsorten gehören dennoch die Halden. Viele von ihnen verändern sich im Laufe der Jahre eindrucksvoll. Die Vegetation erobert sich immer mehr Bereiche zurück. So zum Beispiel auch auf der vergleichsweise neuen Halde Mottbruch zwischen Gelsenkirchen und Gladbeck. Von dort hat man eine ganz besondere Aussicht auf die Ruhrgebietslandschaft, da die Halde zu den nördlichsten Erhebungen in der Region zählt. Hier lohnt der genaue Blick besonders.

Von der Idee bis zum fertigen Buch: Wie viel Zeit haben Sie investiert?

Ein gutes halbes Jahr. Das erste Bild, das ich gezielt für das Buch gemacht habe, ist Ende Januar 2023 entstanden. Hochwasser beim Rheinorange. Dann war erstmal Pause bis Mitte April. Danach wurde die Landschaft grün und bunt. Bis Ende August war ich immer wieder unterwegs, um grüne Bilder im Revier zu machen. Die Herbst- und Winterfotos stammen aus meinem Archiv, da ich diese Jahreszeit im Produktionszeitraum nicht zur Verfügung hatte.

Blick über die Rheinlandschaft bei Duisburg, nach Norden, Thyssenkrupp Steel Stahlwerk in Bruckhausen, Autobahn A40 Rheinbrücke Neuenkamp

Können Sie uns etwas über den Prozess der Bildauswahl für den Bildband erzählen?

Das ist oft die schwierigste Arbeit. Man hängt als Fotograf an vielen Bildern. Für das eine ist man lange in der Sommerhitze gewandert. Beim nächsten Foto ist man durch und durch nass geregnet worden. Für ein weiteres Bild ist man mehrfach hingefahren, manchmal vier bis fünf Mal, bis das Licht oder die Situation passte. Mit diesem emotionalen Gepäck geht man in die Bildauswahl. Davon darf man sich zwar nicht beeinflussen lassen. Aber man tut es oft doch. Also ist es gut, dass die Kollegen vom Klartext Verlag objektiver an die Bildauswahl gegangen sind. Von gut 2.000 Motiven kamen gut 400 in die Endauswahl – etwa 150 davon haben es dann ins Buch geschafft.

Gab es bestimmte Herausforderungen oder unerwartete Momente bei der Fotografie im Ruhrgebiet?

Das Wetter ist bei Landschaftsaufnahmen natürlich das A&O. Jedes Wetter hat seine Reize. Aber oft ist es nicht vorhersehbar. Es gibt zwar langfristige Wetterlagen aber die schnellen Wechsel von dicken Wolken, Sonnenlöchern und die damit verbundenen Kontraste und Farbspiele in der Natur sind das Salz in der optischen Suppe. Einmal wollte ich am Nachmittag zur Halde Rungenberg in Gelsenkirchen. In Essen war es sonnig, mit schönen fetten Wolken. Als ich in Buer ankam war die Sonne weg. Als ich gerade auf die Halde stiefeln wollte, kam ein dicker Regenguss herunter. Eine halbe Stunde später war der Schauer vorbei. Ich schleppte meine Ausrüstung die steile Treppe zum Halden-Top hoch. Die Sonne kam raus. Dunkle Wolken am Horizont. Dazwischen krasse Sonne auf der nassen Stadt-Landschaft. An dem Nachmittag sind allein drei Doppelseiten im Buch entstanden. Auf den letzten fünf Minuten des Rückwegs, hat mich dann ein neuer Schauer voll erwischt. Das war mir inzwischen egal. Der regenreiche Ausflug hat mir gut Bilder gebracht.

Blick von der Halde Rungenberg über den Stadtteil Buer, Halde Scholven, Ruhr Oel GmbH – BP Gelsenkirchen Werk, ehemalige Bergarbeiter Siedlung Schüngelberg Siedlung wurde im Rahmen der Internationalen Bauaustellung Emscherpark, 1989 saniert und 1993 durch 200 Neubauwohnungen erweitert

Welche Techniken und Ausrüstung haben Sie für die Landschaftsaufnahmen verwendet?

Ein wichtiges Ausrüstungsteil sind gute Schuhe und eine Outdoorjacke – neben der Kamera. Viele grüne Ecken erreicht man nur zu Fuß oder mit dem Rad. Aber ein stabiles Stativ ist trotzdem meistens dabei. Meine Fotodrohne kam auch öfters zum Einsatz. Müsliriegel und genügend Wasser halten den Fotografen am Leben.

Für alle Hobbyfotograf:innen: Gibt es eine spezielle Jahreszeit oder Tageszeit, die Ihrer Meinung nach am besten die Schönheit des grünen Ruhrgebiets einfängt?

Jede Jahreszeit hat seine besonderen optischen Momente. Der Frühling durch seine frischen, neuen Farben. Der Sommer durch seine üppigen Farben und dichte Vegetation. Der Herbst ist bekanntlich sehr bunt. Im Winter wird die Landschaft oft monochrom. Im Sommer sind die frühen Morgenstunden und der späte Nachmittag meist gute Fotozeiten. Steht die Sonne sehr hoch am Himmel sind die Farben der Landschaft nicht so intensiv. Morgens und nachmittags werden die Schatten länger und modulieren die Landschaft optisch.

Gibt es eine bestimmte Geschichte oder Anekdote im Zusammenhang mit einem der Fotos, die Sie mit uns teilen möchten?

Man begegnet vielen Menschen bei solch einer langen Produktion. Da sind viele schöne Erlebnisse dabei. Viele Gespräche. Ich liebe das. Man bekommt Tipps, wo es sonst noch schön ist und warum. Einen sehr geduldigen Menschen habe ich auf einem der Feuerwachtürme in der Haard getroffen, auf dem Rennberg. Eine Stunde verweilte ich dort oben. Mein Gesprächspartner beantwortete geduldig alle meine Fragen. Nach und nach kamen weitere Besucher zum Gespräch dazu. Und es entwickle sich in der Gruppe ein Austausch zwischen Menschen, wie man sie oft nur im Revier trifft. Auch abseits von Zechen und Stahlwerken, im grünen Ruhrpott.


Der Autor

Jochen Tack fotografiert seit seiner Jugend. Er arbeitete für die WAZ unter anderem in Essen und machte sich später als Fotoredakteur selbstständig. Seine Lieblingsmotive im Ruhrgebiet findet er im Wandel des Reviers vom Industrie-Grau zum lebendigen Grün. Seine besondere Expertise sind: Beeindruckende Naturfotos, die das Ruhrgebiet von seiner schönsten Seite zeigen.

Fotos im Beitrag: Jochen Tack / Klartext Verlag

PS: Merci an den Fotografen und den Klartext Verlag, der mir das Buch zur Verfügung gestellt hat ♥

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