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Ruhrpott

Dem Himmel so nah: Meine Halden Top 10 für den Sommer

die schönsten halden des ruhrgebiets

Die einen gehen zum Sport um den Kopf frei zu bekommen, ich gehe auf eine Halde. Denn auf den Bergen des Ruhrgebiets weht oft ein anderer Wind als unten in den Städten. Und nur hier oben kann man den Sonnenuntergang wirklich bis zum letzten Strahl genießen. Für mich sind sie Halden  im Sommer daher the place to be. Meine Lieblingshalden im Schnelldurchlauf …

Platz 10: Halde Rheinpreußen in Moers

Halde Rheinpreußen Moers Geleucht

Zugegeben, für mich aus Bochum ist die Halde Rheinpreußen in Moers keine schnelle Nummer für in der Woche. Da kraxel ich lieber schnell den Tippelsberg hoch oder gönne mir einen Sonnenuntergang auf der Halde Hoheward, an der ich jeden Tag mit dem Zug vorbeifahre. Doch am Wochenende und wenn man mal Bock hat ein wenig raus zu kommen, ist die Halde Rheinpreußen einen Ausflug wert.

Knapp 100 Meter ist sie hoch, ziemlich grün und man hat von ihr einen guten Blick auf den Rhein mit der A42-Brücke und den Industriewerken von ThyssenKrupp. Das überzeugt euch jetzt nur so mäßig? Verständlich, aber hey, das hier ist Platz 10 und außerdem habe ich das Beste an der Halde noch nicht erwähnt: Auf ihr thront eine XXL-Grubenlampe. Die ist ähnlich rot wie dieser komische Stuhl vor den Möbelhäusern, aber im Gegensatz zu denen kann man die Grubenlampe begehen. Und wer bis zur Dunkelheit wartet, erlebt sein rotes Wunder. Denn dann macht das im Jahr 2007 installierte Geleucht seinem Namen alle Ehre und taucht die Halde in ein rotes Licht.

Platz 9: Halde Beckstraße in Bottrop

Tetraeder Halde Große Beckstraße Bottrop2

Halde Beckstraße noch nie gehört? Vielleicht liegt es daran, dass das Kunstwerk auf der Halde viel bekannter ist als die Halde selbst. Denn den Tetraeder hat wohl fast jeder, der im Pott wohnt, schon einmal besucht.

Die drei Aussichtsplattformen der Pyramide sind vor allem bei Wind zu empfehlen. Ich meine das ernst. Denn dann schwingen die schön hin und her und einem wird ein bisschen mulmig. Also mir. Dennoch mag ich den leichten Nervenkitzel. Wirklich was passieren kann da glaube ich nicht. Für noch mehr Thrill haben die Macher die letzte Aussichtsplattform des Tetraeders ganz oben übrigens leicht geneigt. Großartige Idee!

Noch ein paar Facts: Wer es bis ganz nach oben schafft, der ist 38 Meter über dem Halden-Boden und 120 Meter über der Stadt. Die Konstruktion besteht aus 210 Tonnen Stahl. Der Tetraeder wurde bereits 1995 am Tag der Deutschen Einheit eröffnet. Und noch was: Eine meiner ersten Erinnerungen ans Ruhrgebiet ist die, dass ich die 387 Stufen des Tetraeders hochgerannt  bin. Damals war ich mit der Schule im Ruhrpott, mir den Strukturwandel maöl live angucken. Ein Ausflug zum Tetraeder war da Pflicht. (Genauso wie zum Centro.)

Platz 8: Heinrich-Hildebrand-Höhe mit Landmarke Tiger and Turtle – Magic Mountain

Magic Mountain Duisburg Tiger and Turtle bei NachtMagic Mountain Duisburg Tiger and Turtle bei Nacht

Okay, da musste ich jetzt nachgucken, wie denn die Halde heißt, auf die fotogenste aller Landmarken ihr Zuhause hat. Heinrich-Hildebrand-Höhe, so so. Die Höhe mit ihren 66 süßen Meterchen ist total unbedeutend. Aber das Kunstwerk auf der Halde ist der Knaller.

Zum Kulturhauptstadtjahr 2010 im Duisburger Süden errichtet, geht jedem Fotofreak beim Betreten der Halde einer ab. Besonders beim Sonnenuntergang entstehen auf der begehbaren Achterbahn die geilsten Fotos. Natürlich inklusive einer fetten Industriekulisse im Hintergrund. Nachts beleuchten 880 LED-Lampen das Stahl-Kunstwerk Tiger and Turtle. 220 Stufen sind begehbar, nur der Looping ist nicht zugänglich.

Bleibt die Frage, warum heißt die Landmarke Tiger and Turtle? Google sagt, Tiger, da man beim Blick auf das Kunstwerk an eine rasante Achterbahnfahrt denkt, tatsächlich aber nur zu Fuß und äußerst langsam voran kommt, also wie eine Schildkröte eben.

Platz 7: Der Tippelsberg in Bochum

Tippelsberg Bochum große SpurTippelsberg Bochum Sonnenuntergang

Eine wirklich possierliche Halde ist der Hügel Tippelsberg im Bochumer Norden. Für mich oft erster Anlaufpunkt. Der Quickie unter den Halden, denn hier ist man in wenigen Minuten oben. Vom Parkplatz bis zum höchsten Punkt sind es lediglich 40 Meter Höhenunterschied. Warum es diese Mini-Halde dennoch auf Platz 7 meiner Rangliste geschafft hat, ist schnell erklärt.

Zum einen liegt sie verkehsgünstig und ist für mich als Bochumer mega schnell zu erreichen. Zum anderen hat man hier einen sehr guten Blick auf meine Heimat: Das Bergbaumuseum, der Bismarckturm im Stadtpark, die Scheinwerfer des Ruhrstadions – alles scheint zum Greifen nah. Zudem sieht man die Skyline von Essen, kann ohne Probleme die Arena auf Schalke erblicken und auch der nächste Haldenspot, die Halde Hoheward in Herten, ist gut zu erkennen.

Das Gipfelkreuz steht nicht, es liegt auf dem Tippelsberg, der unter anderem aus dem Aushub der U-Bahn von Bochum nach Herne entstanden ist. Nur wer mit einer Drohne Bilder von oben macht, erkennt es.

Ach so, streng genommen ist der Tippelsberg gar keine Halde, da hier nie eine Zeche stand. Aber diesen Fact ignorieren wird einfach weg.

Platz 6: Schurenbachhalde in Essen

Schurenbachhalde Essen Bramme für das RuhrgebietSchurenbachhalde Essen Bramme für das Ruhrgebiet

Kontrastprogramm: Waren wir bei Platz 7 noch auf einer sehr grünen Halde, befinden wir uns nun auf einer Mondlandschaft. Die Schurenbachhalde in Altenessen ist sehr karg. Kaum ein Pflänzchen ist zu sehen auf dem dunklen Geröll-Boden. Dafür eine fast 15 Meter hohe Stahlwand, mehr als vier Meter breit und 13,5 cm dick: die Bramme für das Ruhrgebiet.

Geschaffen wurde die Skulptur von einem amerikanischen Künstler, hergestellt ist sie in Frankreich, da es im Ruhrgebiet keine Stahlfabrik mehr gab, die eine derart riesige Stahlplatte produzieren konnte. Ach so, ich sollte dazu schreiben, wann das war. Im Jahr 1998. Also schon ein paar Tage her. Oh Gott, 20 Jahre, um genau zu sein.

Wie immer noch ein paar Facts: Die Halde wurde unter anderem von der Zeche Zollverein benutzt, ist 50 Meter hoch und ist nach dem Fluss Schurenbach benannt, den man allerdings lange suchen kann, da der plattgemacht wurde und nur unterirdisch verläuft. Stattdessen kann man sich im Norden angrenzend am Rhein-Herne-Kanal erfreuen.

Platz 5: Halde Großes Holz

Halde Großes Holz BergkamenImpuls Halde Großes Holz Bergkamen Reisen wir für Platz 5 ganz in den Osten des Potts: In Bergkamen erstreckt sich die Halde Großes Holz über 140 ha Fläche. Und, wie der Name schon sagt, grünt es hier im Sommer auf Teufel komm raus. Besondern imposant ist der 2009 eröffnete Korridorpark. Eine drei Kilometer lange Serpentine, die zum Gipfel führt.

Doch bis man da hinkommt, muss man erst an neun Kunstwerken vorbei, die im Entferntesten an kleine Leuchttürme erinnern. Zumindest schimmern sie nachts bläulich. Blau ist sowieso neben Grün die Farbe der Halde Großes Holz. Hier blüht unter anderem Lavendel und Flieder. Alles sehr schicki für so eine Ruhrgebietshalde.

Wenn es dunkel wird, leuchtet auf dem Gipfel ein Laserschwert. Star Wars-Fans werden hier ihren Spaß haben. Bei der Lichtskulptur Impuls handelt es sich um eine 30 Meter hohe Stahlsäule, die dank 14.400 weißen LEDs kilometerweit zu sehen ist. Für mich die coolste Landmarke des Ruhrgebiets. Fertiggestellt wurde Impuls erst vor einigen Jahren. Und da Bergkamen jetzt nicht unbedingt der Pott-Hotspot ist, kennen viele das Kunstwerk gar nicht.

Platz 4: Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen

Halde Rheinelbe Gelsenkirchen Himmelstreppe3

Seien wir ehrlich: Gelsenkirchen kann ja leider echt nicht viel. Ganz schön hässliche Billo-Innenstadt, schlimmer Fußballverein und selbst im Pott hat die Stadt ein miserables Image. Aaaaber, gleich zwei echt schöne Halden.

Die erste, die ich euch vorstellen will, landet auf Rang 4 meiner Halden Top 10. Sie grenzt direkt an Bochum und ist an sich nicht so spektakulär, wäre da nicht die Himmeltreppe, die auf ihr thront. Ein Brutalo-Klotz. Betonblöcke, die scheinbar zufällig zusammengewürfelt eine Treppe gen Himmel symbolisieren sollen.

Die Himmelstreppe ist Teil des Skulpturenwaldes, der sich nördlich der Halde fortsetzt. Ragt die Halde Rheinelbe wieder mal als eintönige Mondlandschaft empor, wird sie von jeder Menge Wald umgeben. Hier befindet sich auch ein Forstamt.

Entstanden ist sie erst 1999 durch verschiedene Schüttungen und eine Brandschutzwand. Dies war nötig, da es sich um eine brennende Halde handelt. Sprich, im Inneren schwelten kleine Brände. Wie genau das funktioniert, weiß ich nicht. Anscheinend entzündeten sich regelmäßig Kohlenreste im Inneren.

Noch ein paar Facts: Die Halde ist auch nicht wirklich hoch, lediglich an die 40 Meter. Für mich macht der Kontrast aus Wald und Einöde sehr viel her. Zudem geht die Sonne zu jeder Jahreszeit so unter, dass die Himmelstreppe in einen roten Schimmer getaucht wird. Wenn es regnet, bildet sich am Fuße der Halde Rheinelbe ein kleiner See. Darin spiegelt sich die Himmeltreppe. Bei Sonnenuntergang wird der Betonklotz auf magische Art und Weise zu einer doppelten Treppe, die Himmel und Erde wunderschön verbindet. Eingetaucht in rosa-rot.

Platz 3: Halde Rungenberg in Gelsenkirchen

Halde Rungenberg Gelsenkirchen Scheinwerfer

Nach so viel Romantik kann man im Dunkeln dann entweder nach Hause fahren, oder noch einen Abstecher zur Halde Rungenberg machen. Ebenfalls in Gelsenkirchen beheimatet und meine Nummer 3 in der Halden Top 10.

Nachts auffe Halde? Jaaaaa, denn die Halde Rungenberg ist sozusagen für nachts gemacht. Lasst es mich erklären. Wobei, ihr seht es ja im Bild. Hier strahlen zwei riesige Scheinwerfer, die erst bei Einbruch der Dunkelheit angehen und ihre volle Kraft bei absoluter Dunkelheit erreichen. Sie sind in den Himmel gerichtet, wirken also zunächst, als ob sie keine Funktion hätten.

Tatsächlich treffen sich ihre Lichtstrahlen und formen ein Dreieck. Durch die besondere Position der Scheinwerfer auf dem obersten Punkt zweier Erdhaufen komplettieren sie eine zerschnittene Pyramide. Geilo, oder?

Durchschreitet unbedingt mal das „Tal“ der Pyramide. Auf der einen Seite tönt sehr laut die A2 unweit der Arena auf Schalke, auf der anderen Seite ist die Wohnsiedlung am Fuße der Halde deutlich zu hören. Umso tiefer man in das Tal schreitet, desto stiller wird es. In der Mitte, dem ruhigsten Punkt, ist die Autobahn kaum noch zu hören. Es wird auf wunderbare Art und Weise ganz still.

Platz 2: Halde Haniel in Bottrop

Halde Haniel Sonnenuntergang Totem

Eine Halde, auf der ich selbst erst ein paar Mal war, landet dennoch auf Platz 2. Die Rede ist von der Halde Haniel in Bottrop. Die ortskundigen Ruhrgebietler werden wissen, dass die zugehörige Zeche erst im Jahr 2018 dichtgemacht wird. Mit der Schließung endet die Steinkohle-Förderung im Pott. Vermutlich für immer.

Aber statt der Vergangenheit nachzutrauern, empfehle ich euch die zugehörige Halde. Denn die ist schon seit etlichen Jahren ein beliebtes Ausflugsziel und das zurecht. Hier gibt es Grünzeugs und Mondlandschaft, ein Amphitheater und eine sehr geile Kunstinstallation. Aber der Reihe nach.

Die Halde Haniel solltet ihr nicht verwechseln mit der ebenfalls in Bottrop beheimateten Halde Prosperstraße. Die klingt halt ähnlich, befindet sich aber ganz woanders. Und sieht auch anders aus. Auf der Halde Prosperstraße in der Nähe des Tetraeder ist eine Skihalle gebaut. Hier lässt es sich schlecht wandern. Ganz im Gegenteil zur Halde Haniel.

Mit 159 Metern ist sie eine der höchsten Halden des Ruhrgebiets. Die Aussicht ist fantastisch und bis ihr mal oben seid, durchwandert ihr eine abwechslungsreiche Flora und Fauna: Laub- und Nadelbäume, Kröten, Hasen und Eidechsen, um mal nur ein paar der vielen Pflanzen und Tiere zu nennen, die ich alle bereits bei meinen wenigen Besuchen der Halde entdeckt habe.

Oben werdet ihr von einem Gipelkreuz begrüßt, gefolgt von der Hauptattraktion der Halde: den Totems. Die bunten Stelen waren einst mal Eisenbahnschwellen und wurden im Jahr 2002 aufgestellt. Dahinter erstreckt sich ein Amphitheater mit 800 Plätzen.

Platz 1: Halde Hoheward in Herten

Halde Hoheward Höhenobservatorium HertenHalde Hoheward Herten Ein sehr hohes Schätzchen ist die Halde Hoheward zwischen den Städten Herten und Recklinghausen. Ganze 152 Meter oder 500 irgendwas Stufen müsst ihr erklimmen. Das ist im Sommer eine sehr schweißtreibende Angelegenheit. Ihr werdet mit einem angenehm-kühlen Wind und einer fantastischen Aussicht belohnt. Ich liebe es, der Hitze des Potts im Sommer zu entfliehen und mir mit einem Radler auf der Halde Hoheward einen schönen Abend zu machen.

Leider hat man sich beim Horizontobservatorium irgendwie verplant. Schon kurz nach der Fertigstellung der zwei 45 Meter langen Bögen im Jahr 2008 entdeckte man Risse. Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit, wer verantwortlich für den Pfusch ist. Aktuell kann man das Horizontobservatorium nur durch ein Absperrgitter angucken. Ob und wann das riesige Bauwerk wieder freigegeben wird, steht in den Sternen.

Fest steht, von hier oben hat man einen so tollen Ausblick. Bei klarer Sicht bis zu 50 Kilometer weit. Und nirgends geht die Sonne so schön unter wie auf der Halde Hoheward. Bester Blick auf die Fördertürme der Zeche Ewald garantiert. Und genau aus diesem Grund ist die Halde Hohewad meine Lieblingshalde.

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