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Einen Gemüsegarten mieten: Eure Fragen, meine Erfahrungen und ein Fazit

Gemüsegarten in Bochum mieten - Meine Erfahrungen

Dieses Jahr stand für mich ganz im Zeichen des Gemüsegärtnerns. Ich hab euch bei Instagram ja immer mal wieder aufs Feld mitgenommen. Und ihr hattet viele Fragen. Das fand ich sehr cool. Anscheinend interessiert euch das Thema genauso wie mich. Deshalb ziehe ich heute Bilanz. Und: Nach dem tollen Sommer und einer reichhaltigen Ernte gehe auf alle Fragen ein, die ihr mir im Laufe der Monate gestellt habt. Legen wir los:

Vorab: Es handelt sich hier um eine unbeauftragte Werbung. Ich nenne den Anbieter, bekomme dafür aber kein Geld.

Wie viel Zeit verbringst du im Durchschnitt im Garten?

Eine Frage, die sehr häufig kam. Vor allen Dingen von Leuten, die selbst mit dem Gedanken spielen, sich mal für eine Saison ein kleines Stück Feld zu mieten, aber sich mega unsicher waren, ob sie das zeitlich schaffen.

Leider kann ich die Frage nicht pauschal beantworten. Zum einen hängt das stark davon ab, wie ordentlich man denn sein Stück Feld halten will. Wenn ihr sehr pingelig seid, könnt ihr im Sommer jeden Tag eine Stunde Unkraut zupfen und den Boden auflockern. Ihr könnt es aber auch sein lassen, dann ist es halt etwas wilder bei euch. So habe ich es gehandhabt.

Im April und Mai habe ich sehr viel mehr Zeit im Garten verbracht als im September und Oktober: ca. fünf Stunden in der Woche. Später dann alle zwei Wochen zwei oder drei Stunden. Warum ist das so? Weil ich am Anfang sehr viel wegzupfen musste. Nicht gewollte Pflanzen wachsen eben am besten. Damit Obst und Gemüse eine Chance haben, entfernte ich gerade in den ersten Wochen wie bekloppt Unkraut. Später wurde das einfacher, da die Gemüsepflanzen dann größer waren und man sie gut von den unerwünschten Kräutern und Gräsern unterscheiden konnte.

Also kurz gefasst: Es ist viel weniger Arbeit als in einem Schrebergarten anfällt, aber es ist auch viel mehr Arbeit als ein paar Tomaten auf dem Balkon zu ziehen.

Wie groß ist dein Garten? Schafft man das alleine?

Mein Stückchen Land wird von „meine ernte“ angeboten. Dort gibt es unterschiedliche Gartengrößen. Mein Feld ist 45 qm groß und es gibt noch die XL-Variante mit 90 qm. Das ist aber echt nichts mehr für einen alleine, die 45 qm machen schon sehr viel Arbeit (und Freude).

Zwar kann man die kleine Feldversion gut alleine bewirtschaften, muss dann im Sommer aber das ein oder andere Grillfest sausen lassen, um Kohlrabi, Grünkohl und Karotte Aufmerksamkeit und Pflege zukommen zu lassen.

Garten in Bochum mieten - meine Erfahrungen

Lohnt sich das? Hast du etwas gespart, da du nicht so viel im Supermarkt kaufen musstest?

Auch diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Das Feld kostet bei „meine ernte“ 229 bzw. die große Version (siehe Frage 2) 439 Euro. Hinzu kommen Kosten für Setzlinge, Hornspäne, Mulch, Spritkosten (ja, ich war faul und bin da immer mit dem Auto hin), Netze, Pflanzschildchen, Handschuhe usw.

Im Preis inbegriffen sind die Nutzung von Gartengeräten und 20 verschiedene Gemüsesorten, die vorgepflanzt sind. Auch das Wasser vor Ort ist kostenlos, wobei man nicht so viel gießen muss wie man als Laie denkt, siehe Frage 4.

Rechnen wir also mal um: Ich habe tatsächlich in diesem Jahr keine Kohlrabi, nur ein Mal Grünkohl, keine Karotten, keinen Sellerie, keine Zucchini und keine Bohnen gekauft und nur zwei Mal Erdbeeren. Denn all diese Sachen hatte ich auf dem Feld im meist im Überfluss. Als ich nichts davon selbst angebaut habe, fielen für mich Kosten für mindestens sechs Mal ein Schälchen Erdbeeren, 20 Zucchini, fünf Mal 1 kg Möhren, fünf Sellerie, drei Mal 1 kg Grünkohl und ein Mal Bohnen an. (Ich mag Bohnen nicht so gerne, daher weiß ich gar nicht, wie viel ich davon normalerweise esse. Sehr wenig vermutlich.)

Aber ob sich das nun wirklich „lohnt“? Ich glaube es eher nicht. Zumal ich die Arbeitszeit ja gar nicht bezahlt bekomme. Für alle, die einfach nur sparen wollen und gerne im Boden rumwühlen, geht die Rechnung meiner Meinung nach nicht auf. Das Gärtnern ist aus ganz anderen Gründen für mich ideal.

Muss man dann nicht jeden Tag dahin und gießen?

Nein, definitiv müsst ihr nicht jeden Tag dorthin um zu gießen. Denn anders als bei Pflanzen in Kübeln auf dem Balkon, ist der Boden in den etwas tieferen Schichten so feucht, dass sich die Pflanzen ihr Wasser ziehen können und gut auch mal ein paar Tage ohne Wasser auskommen. Der Sommer 2018 in Bochum war allerdings sehr, sehr trocken. Aus diesem Grund bin ich ein Mal in der Woche da gewesen, um einige Gemüsesorten, die eher mehr Wasser brauchen, zu gießen. Und selbst das war glaube ich etwas überflüssig. Neben mir war ein Feld, das total vernachlässigt wurde. Es wucherte komplett zu und dennoch gab es da jede Menge zu ernten ohne das jemals wer da war, um dort zu gießen.

Ich muss allerdings auch sagen, dass ich nur Dinge angebaut hatte, die sehr pflegeleicht waren. Tomaten gab es zum Beispiel nicht, die wären ohne Windschutz und regelmäßige Bewässerung vermutlich nix geworden. Ich habe aber zahlreiche Gemüsebauern gesehen, die Tomaten angepflanzt haben und sehr viel zu ernten hatten. Sicherlich waren nicht alle von denen täglich auf ihrem Feld. Nie und nimmer…

Welche Arbeiten fallen auf dem Feld an?

Im Frühjahr müssen ein paar Gemüse gepflanzt werden, ein Teil ist aber bereit vom Betreiber vorgepflanzt wie Kartoffeln, Möhren, Sellerie. In eurem Wunschbeet habt ihr die fast freie Auswahl, was ihr setzen wollt.

Zudem gehört das Auflockern des Bodens zu euren Aufgaben, gelegentliches Bewässern, Unkraut zupfen, unerwünschte Tiere entfernen wie den Kartoffelkäfer, der sich auf die Blätter der Kartoffelpflanze setzt. Wer seine Jungpflanzen schützen will, sollte Netze anbringen. Ab Mai/Juni könnt ihr dann auch schon die ersten Sachen wie Mangold ernten.

Zum Ende der Saison (Oktober/November) müsst ihr alle Dinge, die ihr mitgebracht habt wie Schildchen, Netze oder Gartenzwerge und Aufbauten für eure Tomatenpflanzen etc. wieder entfernen, denn das Feld wird platt gemacht. Was auch die Frage 7. beantwortet.

Garten in Bochum mieten - meine Erfahrungen

 

Wie machst du den Garten winterfest?

Gar nicht, da die Saison im November endet. Das heißt, dann wird alles umgepflügt. Was den Vorteil hat, dass man im neuen Jahr wieder mit einem aufgeräumten Garten und neuen Pflanzen beginnen kann und garantiert keine Monokultur vorfindet. Es wird halt alles mal durchgemischt, was gut für den Boden und das Wachstum der Neupflanzen ist.

Der Nachteil der Eine-Saison-Bepflanzung: Einige Gemüse kann man nicht anbauen, da sie erst nach ein paar Jahren Früchte tragen. Das ist in der Tat ein Problem. Für mich als Gemüse-Neuling hat es aber den sehr großen Vorteil, dass ich mich im Winter um nix kümmern muss und der Boden perfekt aufbereitet im April auf mich wartet.

Würdest du das Feld noch einmal mieten?

Diese Frage wurde mir komischerweise im Mai und Juni, also als ich gerade erst ein paar Monate dabei war, ganz oft gestellt. Unter anderem auch von Silke von pottleben, die mich auf dem Feld besuchte. Ich musste dann immer ausweichend antworten, da ich ja noch gar nicht wusste, wie das mit dem Gemüse und mir so wird. Hätte ja alles ganz furchtbar werden können.

Jetzt im November kann ich sagen: Ja, ich würde es wieder tun und ich tue es auch wieder. Der Gemüsegarten für die Saison 2019 ist gebucht. Ich werde wieder die gleiche Größe Feld haben und freue mich, im nächsten Jahr neue Erfahrungen beim Anbau von Gemüse zu sammeln. Denn ich bin mir sicher, es wird nicht 1:1 das Gleiche sein wie in diesem Jahr. Schon allein dadurch, dass es 2018 so gut wie keinen Starkregen gab, total trocken war und einige Dinge, die in „normalen“ Sommern anstehen durch die Witterung nicht zustande kamen.

Welche Gemüsesorten würdest du nicht noch einmal anbauen?

Also, dieser Sommer war ja heiß und trocken, Ideal, um zum Beispiel Wassermelone anzubauen dachte ich mir. (Wobei ich im Mai natürlich nicht wusste, dass es bis zum August nicht mehr regnen sollte.) Außerdem wollte ich irgendwas Exotisches haben und nicht nur Grünkohl, Kohlrabi und Radieschen. Joa, wenn man ganz ehrlich ist, war das eher so ein Reinfall.

Die Wassermelonenpflanze wuchs zwar gut und grünte vor sich hin, aber die Früchte wurden nicht so riesig und schmeckten vor allen dingen eher so lala. Sonst hat wirklich alles vom Feld intensiver und besser geschmeckt als das konventionelle Gemüse aus dem Supermarkt, aber bei der Wassermelone war das nicht der Fall.

Vorgepflanzt waren unterschiedliche Bohnen- und Schotenarten. Da ich nicht so der Erbsen-Bohnen-Irgendwas-Fan bin, würde ich das nicht so pflanzen beziehungsweise sobald die Pflanze abgeerntet ist schnell etwas anderes dorthin machen. Habe ich in diesem Jahr nicht. Lediglich ein bisschen Feldsalat und Grünkohl habe ich nachgepflanzt im Juni/Juli.

Garten in Bochum mieten - meine Erfahrungen

Im nächsten Jahr möchte ich ein paar mehr Erdbeerpflanzen haben und auch wieder Süßkartoffeln pflanzen. Überraschenderweise sind die nämlich alle super gut geworden. Zudem vielleicht doch auch mal Tomaten? Ich weiß es nicht so ganz genau. Was definitiv weniger angepflanzt wird, ist Zucchini. Ich hatte drei Kerne in die Erde gesteckt und gedacht, wenn eine Pflanze was wird, reicht das ja.

Dann hatte ich noch zwei gelbe Mini-Zucchini aus dem Gartenmarkt mitgenommen und aufs Beet gesetzt. Tja, alle Pflanzen wuchsen wie blöd und ich sah mich mit einer totalen Zucchinischwemme konfrontiert. Ich habe bestimmt 40 Zucchini geerntet und die meisten natürlich verschenkt.

Die letzte Frage, die mir auch immer wieder gestellt wurde …

Wohnst du nicht in der Stadt, wo gibt es denn da Felder?

Na ja, also Bochum ist ja jetzt keine richtig große Stadt, da ist man meist schnell im Umland. Und ich wohne tatsächlich auch günstig. Ich glaube, in vielen größeren Städten ist das mit dem Weg zum Feld schon so eine Sache. Ich brauche lediglich sieben Minuten mit dem Auto bis dorthin.

Anbieter ist wie oben beschrieben „meine ernte“. In Bochum befindet sich das Feld auf dem Gelände von Bauer Blome in der Nähe zum Tippelsberg, also ganz im Norden der Stadt. Der Berg ist auch meine Ausrede dafür, warum ich dort nie mit dem Rad war. Es wäre für die Öko-Bilanz sehr viel besser gewesen, wenn ich nicht mit dem Auto dorthin gefahren wäre. Ich bekenne mich schuldig.

Hier könnt ihr alle Standorte von „meine ernte“ angucken. Eure Stadt ist nicht dabei? Es gibt auch ein paar andere Anbieter, die mit einem ähnlichen Konzept in anderen Städte/Regionen am Start sind. Allerdings habe ich da keine Erfahrungswerte und kann euch deshalb dazu keine Infos geben.

So, nun hoffe ich, dass ihr auch ein bisschen Bock bekommen habt euch ein Stück Land zuzulegen oder den Balkon mit Tomaten und Co. zu bestücken. Es macht wirklich sehr viel Freude und jede selbstgezogene Erdbeere oder ausgebuddelte Kartoffel ist ein kleiner Glücksmoment.

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1 Comment

  • Reply Amely

    Hallo Julius, es freut mich, dass dir das Gemüsegärtnern Spaß gemacht hat, und du so gute Erfahrungen gemacht hast! Ich denke, um erste Erfahrungen mit dem Gemüseanbau zu machen, war dieses Jahr wirklich nicht ideal. Wir haben auch zum ersten Mal viele verschiedene Sorten angepflanzt und vor allem auch ausgesät, und es war wirklich ein Kampf gegen die Trockenheit. Übrigens ist meine Wassermelone gleich eingegangen, dafür hat die Honigmelone einige sehr schmackhafte Früchte geliefert. Vielleicht wäre das was für nächstes Jahr? Ein bisschen unberechenbar ist es ja immer, wie sich das Gemüse dann entwickelt. ZB unser Hokkaido hat nur einen kleinen Kürbis gehabt, dafür der Butternut elf Riesenkürbisse! So macht das Gärtnern dann mehr Spaß. Bei so Kleingemüse wie Möhren, rote Bete, Rosenkohl usw. kann es auch echt anstrengend sein, und dann frage ich mich manchmal auch, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt. Aber man sammelt seine Erfahrungen und hat eine Menge Spaß dabei, das ist ja das, was zählt.
    Liebe Grüße,
    Amely

    8. Dezember 2018 at 12:14
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