
Paderborn ist nicht gerade bekannt dafür, die aufregendste Gastronomieszene Nordrhein-Westfalens zu haben. Umso überraschender, wenn man auf einen Ort stößt, der einem nicht mehr loslässt. Das Heinrichs, direkt hinter dem Dom, ist so ein Ort. Ich sage das nicht so schnell, aber: Es ist eine der besten veganen Küchen, die ich in NRW kenne. Meiner Meinung nach toppt es viele Cafés aus Städten, die sich für ihr Gastronomieangebot weit mehr auf die Schulter klopfen.
Inhalt
Ein Gebäude mit Geschichte
Ich bin inzwischen mehrfach dort gewesen, zum Mittagessen, zum Kaffee, einmal nur wegen der Zimtschnecken, die immer schnell ausverkauft sind. Und jedes Mal habe ich das Café mit dem Gefühl verlassen, dass ich zu früh gegangen bin und eigentlich noch gerne mehr probiert hätte :)!

Das Haus am Ikenberg 1 hat ein paar Leben hinter sich. Heinrich Dunstheimer, gelernter Grafiker, eröffnete dort 2018 ein kleines vegetarisches Café, nachdem der Antiquitätenhandel seiner Familie geschlossen hatte. Das Gebäude ist sein Elternhaus. 2024 übernahmen Jonas Stommel und Oliver Hebenstreit das Café nach monatelangem Umbau, jetzt rein vegan und unter dem Untertitel „plant-based kitchen“. Nach eigenen Angaben das erste rein vegane Restaurant in Paderborn.
Seit Kurzem ist auch der Nebenraum geöffnet, die ehemalige Goldschmiede im selben Gebäude. Das heißt, es gibt mehr Platz, mehr Licht, aber die gleiche Atmosphäre wie im Hauptraum.
Wie es aussieht
Das Heinrichs hat ein sehr klares, sehr konsequentes Gestaltungskonzept. Die Pendelleuchten sind aus bernsteinfarbenem Glas, die Stühle haben gelbe Beine, die Sitzkissen auf den Holzbänken sind gelb, die Papierservietten auch. Die Speisekarten kommen auf orangefarbenen Klemmbrettern. Dagegen: das Logo in blauer Handschrift, blaue Akzente überall. Auch wenn ich kein Fan des Komplementärkontrastes bin: Hier funktioniert er erstaunlich gut.
An den Wänden hängen fast durchgängig food-themed Kunstdrucke und Gemälde, mal kleinformatig und illustrativ, mal als großes Gemälde, das einem direkt ins Gesicht springt, wenn man den Nebenraum betritt. Auf jedem Tisch eine einzelne Blume. Kein Schnickschnack, aber auch kein Minimalismus um des Minimalismus willen. Es fühlt sich an, als hätten hier Menschen mit echtem Geschmack eingerichtet.
Was auf den Tisch kommt
Die Karte wechselt jede Woche, wobei sich bestimmte Muster wiederholen: Es gibt immer Brunch bis 15 Uhr, immer ein Mittagsgericht, immer Kuchen. Samstags frische Zimtschnecken, die ich jedem ans Herz lege, der samstags in der Nähe ist.
Was mich von Anfang an umgehauen hat, ist die Ernsthaftigkeit der Küche. Sie ist klar orientalisch beeinflusst, ohne sich darauf zu reduzieren. Ich hatte unter anderem einen Teller mit hausgemachtem Hummus, orientalischem Antipastigemüse, Baharat Roasted Soja Chunks, Zhoug, Rotkohlsalat mit Granatapfel-Vinaigrette, Harissa, Sunflower-Cashew-Crunch und hausgebackenem Focaccia. Das klingt nach viel, und das ist es auch, im besten Sinne. Der Teller hat eine klare Idee.
Die Hummus-Stulle auf Sauerteigbrot mit gerösteten Tomaten und Harissa ist ein anderes Gericht, das hängengeblieben ist. Simpel in der Idee, sehr gut in der Ausführung. Beim Kaffee greifen sie auf Loser Coffee zurück, eine lokale Rösterei aus Paderborn. Dazu gibt es veganen Kuchen wie einen Apfelkuchen mit und ohne Schmand, der sich genauso lohnt.









Zum Preis
Was mich ebenfalls überzeugt hat: Die Preise sind fair. Die Portionen sind großzügig, man geht satt nach Hause, und man zahlt nicht das Stadtgefühl-Aufgeld, das man in Köln oder Düsseldorf für halb so viel auf dem Teller inzwischen fast schon erwartet. Für das, was man bekommt, stimmt das Verhältnis sehr gut. Vor allen Dingen, da die Qualität herausragend ist.
Was sonst noch stimmt im Heinrichs
Der Service ist herzlich, ohne aufdringlich zu sein. Man fühlt sich willkommen, auch wenn man nur kurz reinschaut. Das ist keine Selbstverständlichkeit, und ich habe es bei jedem Besuch so erlebt.
Das Café arbeitet bargeldlos, was man wissen sollte. Wer flexibel ist, kommt unter der Woche: Am Wochenende ist es voll, und die Plätze sind, auch mit dem neuen Nebenraum, nicht unbegrenzt.
Paderborn hat mit dem Heinrichs einen wirklich besonderen Food-Spot bekommen, so dass ich so weit gehen würde zu behaupten, dass sich allein dafür eine Anreise aus dem Ruhrgebiet lohnt. ♥
Heinrichs plant-based kitchen
Am Ikenberg 1
33098 Paderborn
Mi bis Sa, 9 bis 17 Uhr
heinrichs.kitchen | Instagram: @heinrichs_cafe_pb

PS: Ich versuche hier im Blog nach und nach mehr vegane Cafés und Food-Spots vorzustellen. Ein paar gibt es aber bereits :)! Zum Beispiel das Kimbap in Bochum, das Café Lang.fuhr in Danzig oder die pflanzliche Bäckerei Saint-Jean in Amsterdam.

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