
Wer zum ersten Mal nach Tallinn reist, verbringt wahrscheinlich zunächst viel Zeit in der mittelalterlichen Altstadt. Das habe ich natürlich auch gemacht. Mindestens genauso spannend fand ich aber die Gegend auf der anderen Seite des Bahnhofs: Kalamaja mit seinen alten Holzhäusern, Telliskivi mit den ehemaligen Industriegebäuden und dazwischen jede Menge Cafés, kleine Läden, Street-Art und ganz normales Tallinner Alltagsleben.
Ich hatte über Booking.com eine Ferienwohnung direkt an der Haltestelle Salme gemietet. Das stellte sich im Nachhinein als ziemlich ideale Lage heraus. Telliskivi war schnell zu Fuß erreichbar, gleichzeitig begannen praktisch vor der Haustür die typischen Wohnstraßen von Kalamaja. Und nur ungefähr eine Minute entfernt lag ein Rimi-Supermarkt, was bei einer Ferienwohnung natürlich ziemlich praktisch war.
Vor allem hatte die Lage aber einen anderen Vorteil: Ich war nicht nur einmal für zwei Stunden in Kalamaja, sondern bin über eine Woche hinweg immer wieder durch das Viertel gelaufen. Morgens auf dem Weg zum Kaffee, nachmittags zu einem Museum, abends zurück zur Wohnung und an verschiedenen Wochentagen.
Dadurch habe ich Kalamaja ganz anders wahrgenommen als viele klassische Sehenswürdigkeiten. Für mich ist es kein Viertel, bei dem man fünf Punkte auf einer Liste abhakt. Der Reiz entsteht beim Herumlaufen.
Inhalt
Kalamaja auf einen Blick
- Lage: Direkt nordwestlich der Tallinner Altstadt
- Bekannt für: Historische Holzhäuser, alte Industriearchitektur, Cafés und Kreativszene
- Telliskivi: Ehemaliges Industrieareal mit Gastronomie, Design, Kultur und Fotografiska
- Anreise: Zu Fuß, mit Bus oder Straßenbahn sehr einfach
- Zeit einplanen: Mindestens zwei bis drei Stunden, besser einen halben Tag
- Für mich besonders spannend: Der Kontrast zwischen Wohnviertel, alten Fabriken und neuen Entwicklungen
- Übernachten: Aus meiner Sicht eine sehr gute Alternative zur Altstadt





Was ist Kalamaja eigentlich?
Kalamaja ist eines der ältesten Viertel Tallinns. Der Name bedeutet übersetzt ungefähr „Fischhaus“. Bereits seit dem Mittelalter lebten hier vor allem Menschen, die vom Meer und vom Fischfang abhängig waren.
Entscheidend veränderte sich die Gegend im 19. Jahrhundert. 1870 wurde die Eisenbahnverbindung zwischen Tallinn und St. Petersburg eröffnet. Rund um den heutigen Bahnhof Balti Jaam entstanden Fabriken, und Tausende Arbeiter:innen benötigten Wohnungen.
Viele der Holzhäuser, die heute das Bild von Kalamaja prägen, entstanden in dieser Zeit und in den folgenden Jahrzehnten. Besonders charakteristisch sind die sogenannten Tallinn-Häuser aus den 1920er- und 1930er-Jahren. Bei ihnen verbinden sich hölzerne Gebäudeteile mit einem zentralen steinernen Treppenhaus. Rund 500 solcher Häuser sollen in Tallinn noch erhalten sein.
Und genau diese Häuser machen für mich einen großen Teil des Reizes von Kalamaja aus.
Alte Holzhäuser, schiefe Fassaden und frisch sanierte Gebäude
Wenn ihr länger durch Kalamaja lauft, merkt ihr schnell, dass die Holzhäuser keineswegs alle gleich aussehen. Manche sind frisch renoviert, die Fassaden gestrichen und Fenster offensichtlich erneuert. Andere wirken, als hätten sie seit Jahrzehnten kaum Veränderungen erlebt. Farbe blättert ab, Holz ist verwittert und manches Gebäude erscheint ein wenig schief.
Gerade diese Mischung fand ich spannend. Kalamaja wirkt dadurch an vielen Stellen noch nicht wie ein komplett durchgestyltes Trendviertel. Ihr könnt durch Straßen mit hübsch renovierten Holzhäusern laufen und wenige Meter später vor einem Gebäude stehen, dem man sein Alter sehr deutlich ansieht.
Besonders viele typische Holzhäuser findet ihr unter anderem rund um Valgevase, Kalju, Kungla, Vana-Kalamaja und Niine. Auch die offizielle Tourismusseite Tallinns empfiehlt diese Straßen für einen Spaziergang durch das Viertel.
Kalamaja ist kein Freilichtmuseum
Was mir bei meinen Spaziergängen besonders gefallen hat: Trotz der vielen Besucher:innen ist Kalamaja immer noch deutlich als Wohnviertel erkennbar. Wenn ihr dort nur eine Stunde zwischen Balti Jaam und Telliskivi verbringt, bekommt ihr davon vielleicht gar nicht so viel mit. Lauft ihr länger durch die Wohnstraßen, sieht das anders aus.
Menschen gehen mit ihren Hunden spazieren, Eltern sind mit ihren Kindern auf den Spielplätzen unterwegs, Bewohner:innen kommen mit ihren Einkäufen nach Hause oder sitzen vor den Häusern.
Das klingt erst einmal vollkommen unspektakulär. Für mich macht genau das einen Unterschied. Kalamaja ist eben nicht nur eine für Tourist:innen hergerichtete Kulisse aus bunten Holzhäusern. Es ist ein echtes Wohnviertel, das gleichzeitig zu einer der angesagtesten Gegenden Tallinns geworden ist.
Die Gentrifizierung ist kaum zu übersehen
Dieser Wandel hat allerdings auch eine andere Seite. Was Besucher:innen zunächst als spannende Mischung aus renovierten Holzhäusern, Cafés, Designläden und alten Fabriken wahrnehmen, ist Teil eines bereits seit Jahren laufenden Gentrifizierungsprozesses.
Kalamaja wird in wissenschaftlichen Untersuchungen ausdrücklich als einer der Gentrifizierungs-Hotspots Tallinns beschrieben. Besonders seit den 2000er-Jahren wurden viele ältere Häuser saniert, Neubauten ergänzt und ehemalige Industriegebäude für neue Nutzungen umgebaut. Gleichzeitig zogen verstärkt jüngere und sozioökonomisch besser gestellte Bewohner:innen in die Gegend.
In Studien wird auch beschrieben, dass sich dadurch die soziale Zusammensetzung des Viertels verändert hat. Bei der Gentrifizierung in Tallinn geht es allerdings nicht ausschließlich um die klassische direkte Verdrängung von Mieter:innen. Forschende weisen auch auf subtilere Formen hin, bei denen sich beispielsweise Geschäfte, Gastronomie und die kulturelle Identität eines Viertels so verändern, dass sich langjährige Bewohner:innen zunehmend fremd fühlen.
Wenn man durch Kalamaja läuft, sieht man zumindest die bauliche Seite dieses Wandels ziemlich deutlich. Neben einem verwitterten Holzhaus steht plötzlich ein hochwertig saniertes Gebäude. Baulücken werden geschlossen und ehemalige Industrieflächen bekommen komplett neue Nutzungen.
Ich würde diese Entwicklung deshalb auch nicht einfach mit „früher heruntergekommen, heute schön“ beschreiben. Gerade der unfertige Zustand und das Nebeneinander verschiedener Phasen machen Kalamaja für mich interessant.






Kiosk No. 4: Mein Lieblingscafé in Kalamaja
Wenn ihr guten Kaffee mögt, würde ich einen kleinen Umweg zum Kiosk No. 4 einplanen. Das Café liegt an der Valgevase-Straße mitten zwischen den Holzhäusern von Kalamaja. Ich war während meiner Woche in Tallinn mehrfach dort und habe vor allem den Cappuccino mit Hafermilch ziemlich schnell ins Herz geschlossen.
Dazu gibt es unter anderem Kardamomknoten und anderes Gebäck. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir allerdings der Service. An einem Samstag hatte ich mich bei den Öffnungszeiten vertan und stand zu früh vor der Tür. Die Mitarbeiterin ließ mich trotzdem hinein, obwohl sie noch das Gebäck einräumte, und machte mir bereits einen Cappuccino.
Mehr über meinen Besuch im Kiosk No. 4

Weiter bis zum Krulli-Quartier
Wenn ihr Zeit für einen längeren Spaziergang habt, würde ich Richtung Krulli weiterlaufen. Auch dort wird die industrielle Vergangenheit Nord-Tallinns gerade neu interpretiert. Das ehemalige Metall- und Maschinenbauareal wird schrittweise zu einem neuen Stadtquartier entwickelt. Bei meinem Besuch war Krulli für mich gerade deshalb spannend, weil vieles noch im Übergang war.
Das Gelände wird bereits für Kultur, Märkte, Veranstaltungen und andere Nutzungen verwendet. Gleichzeitig hat inzwischen eine umfangreiche bauliche Entwicklung begonnen. Aus historischen Industriegebäuden sollen unter anderem ein Veranstaltungszentrum und ein großes Zentrum für Unternehmen und Innovation entstehen. Hinzu kommen neue Wohnungen und öffentliche Räume. Die ersten großen Neubau- und Sanierungsprojekte sollen ab 2027 fertig werden.
Damit ist Krulli fast ein Blick darauf, wie sich die Entwicklung von Telliskivi ein Stück weiter nördlich wiederholt, wenn auch mit einem anderen Konzept und deutlich mehr Neubau. Wer Architektur und Stadtentwicklung interessant findet, sollte deshalb ruhig etwas weiterlaufen.
Ist Kalamaja abends sicher?
Ich habe mich während meiner Woche dort auch abends problemlos bewegt und mich nie unsicher gefühlt. Natürlich würde ich daraus keine allgemeine Sicherheitsgarantie ableiten. Für mich fühlten sich die Straßen rund um Salme, Telliskivi und die angrenzenden Wohngebiete aber auch später am Tag vollkommen normal an.
Gerade weil so viele Menschen tatsächlich in Kalamaja wohnen, verschwinden nach Ladenschluss nicht plötzlich sämtliche Menschen aus dem Viertel.
Für wen lohnt sich Kalamaja?
Kalamaja würde ich besonders empfehlen, wenn ihr Tallinn nicht nur über klassische Sehenswürdigkeiten kennenlernen möchtet.
Wer historische Architektur, Stadtentwicklung, Fotografie, Cafés und längere Spaziergänge mag, dürfte hier ziemlich schnell etwas finden.
Weniger spannend ist Kalamaja wahrscheinlich für Menschen, die von einer Sehenswürdigkeit direkt zur nächsten laufen möchten. Die einzelnen Orte sind interessant, aber für mich entsteht der eigentliche Reiz erst aus ihrer Verbindung.
Nicht nach einer Stunde umdrehen
Wenn ihr Kalamaja besucht, würde ich einen Fehler vermeiden: nur Balti Jaama Turg und Telliskivi anzusehen und danach wieder zurück in die Altstadt zu laufen. Damit habt ihr zwar zwei der bekanntesten Orte gesehen, aber meiner Meinung nach noch nicht wirklich viel von Kalamaja.
Ich bin während meiner Woche immer wieder längere Strecken durch das Viertel gelaufen und teilweise bewusst ohne konkretes Ziel losgegangen. Genau dabei habe ich die interessantesten Kontraste entdeckt.
Alte Holzhäuser gehen in neuere Wohngebiete über. Kleine Straßen treffen auf Bahntrassen. Hinter Wohnhäusern tauchen plötzlich ehemalige Industriegebäude auf. Und je weiter man sich von Telliskivi entfernt, desto weniger Besucher:innen sind unterwegs.






Ist Telliskivi ein eigenes Viertel?
Nicht wirklich. Telliskivi wird in Reiseführern oft behandelt, als wäre es ein eigenes Stadtviertel. Gemeint ist meistens die Telliskivi Creative City, ein großes ehemaliges Industrieareal am Übergang zwischen Kalamaja und Pelgulinn.
Die Geschichte des Areals erklärt, warum es sich so deutlich von den Holzhäusern wenige Straßen weiter unterscheidet. Früher wurden hier unter anderem Lokomotiven und Eisenbahnwaggons gebaut und repariert. Später produzierte der Betrieb auch technische Komponenten für die sowjetische Industrie.
Nachdem die industrielle Nutzung zurückging, standen Teile des Areals leer. Ab 2007 begann die schrittweise Umnutzung. 2009 zog mit dem Tallinn Black Nights Film Festival einer der ersten langfristigen Mieter ein. Es folgten Flohmarkt, Skatepark, Proberäume und 2010 das Restaurant F-Hoone. Heute ist davon kaum noch etwas Geheimtipp.
Telliskivi Creative City: Alte Industrie, neue Nutzung
Telliskivi ist wahrscheinlich der bekannteste Teil der Gegend. Die alten Industriegebäude sind erhalten geblieben, haben aber neue Funktionen bekommen. Heute findet ihr dort Restaurants, Bars, kleine Geschäfte, Designstudios, Veranstaltungsräume, Street-Art und kulturelle Einrichtungen. Auch das Fotografiska Tallinn befindet sich hier.
Mir hat vor allem gefallen, dass die Industriearchitektur nicht komplett verschwunden ist. Backstein, Beton, alte Hallen, Metallkonstruktionen und Bahnanlagen treffen auf Wandmalereien, Terrassen und moderne Innenräume. Man merkt den Gebäuden ihre Vergangenheit noch an, obwohl sie längst anders genutzt werden.
Natürlich ist Telliskivi inzwischen ziemlich kommerziell und entsprechend bekannt. Wer ein vollkommen unentdecktes Kreativviertel erwartet, wird enttäuscht sein. Sehenswert fand ich es trotzdem. Vor allem funktioniert Telliskivi für mich am besten als Teil eines längeren Spaziergangs und nicht als isolierte Sehenswürdigkeit.
Street-Art gehört in Telliskivi einfach dazu
Was im Vergleich zu den Wohnstraßen Kalamajas sofort auffällt, sind die vielen großformatigen Wandbilder. Street-Art findet ihr an mehreren Gebäuden innerhalb und rund um die Creative City. Einige Arbeiten bedecken komplette Fassaden.
Dadurch eignet sich Telliskivi auch sehr gut zum Fotografieren. Mich haben dabei weniger einzelne Werke interessiert als die Verbindung aus Kunst und alter Industriearchitektur. Gerade wenn man aus den ruhigen Straßen mit Holzhäusern kommt, wirkt der Wechsel ziemlich stark.




„find that strength“ von Marta Vaarik
Besonders eindrücklich fand ich die Arbeit „find that strength“ von Marta Vaarik. In einem sehr persönlichen Ich-Text beschreibt sie die Angst einer Frau in einer gewalttätigen Beziehung und das Gefühl, selbst im eigenen Zuhause nicht sicher zu sein. Die Installation verbindet diesen Text mit Informationen zu häuslicher Gewalt in Estland und konkreten Hilfsangeboten. Gerade zwischen der bunten Street-Art und der kreativen Atmosphäre Telliskivis war das ein ziemlich harter Kontrast.

Fotografiska Tallinn
Einer meiner wichtigsten Gründe für einen längeren Aufenthalt in Telliskivi war das Fotografiska.
Das internationale Zentrum für Fotografie befindet sich in einem ehemaligen Industriegebäude mitten in der Creative City und zeigt wechselnde Ausstellungen. Bei meinem Besuch im Sommer 2026 waren unter anderem Photography in Power: Making Worlds Visible und Emerging Artists 2026: The Baltics & Finland zu sehen.
Ich war an einem regnerischen Tag dort und habe ungefähr zwei Stunden im Museum verbracht. Für mich war Fotografiska eines der besten Museen meiner Tallinn-Reise. Wer sich für Fotografie interessiert, sollte deshalb nicht nur kurz durch Telliskivi laufen, sondern genügend Zeit für einen Besuch einplanen.
Balti Jaama Turg: Markt zwischen Altstadt und Kalamaja
Direkt am Bahnhof Balti Jaam liegt eine weitere gute Station für einen Spaziergang: der Balti Jaama Turg. Die Markthalle verbindet klassische Lebensmittelstände mit Streetfood, kleinen Geschäften und einem Bereich mit Antiquitäten und Secondhand-Angeboten.
Durch die Lage eignet sich der Markt perfekt als Start oder Ende eines Spaziergangs durch Kalamaja und Telliskivi. Von der Altstadt aus könnt ihr zunächst durch den Markt laufen, anschließend Telliskivi besuchen und danach tiefer in die Wohnstraßen von Kalamaja gehen.
Gerade diese Reihenfolge zeigt ziemlich gut, wie schnell sich Tallinn innerhalb weniger hundert Meter verändert.



Ein längerer Spaziergang lohnt sich auch Richtung Õle
Ich bin außerdem mehrfach auf die andere Seite der Bahntrassen und weiter Richtung Pelgulinn gelaufen. Ein gutes Ziel dafür ist Kaja Pizza Köök in der Õle 33. Das kleine Restaurant serviert neapolitanische Pizza aus dem Holzofen und liegt deutlich außerhalb der klassischen touristischen Route rund um Telliskivi.
Allein der Weg dorthin lohnt sich, wenn ihr gern Viertel zu Fuß entdeckt. Auch hier verändert sich die Umgebung wieder. Es wird ruhiger und wohnlicher, und ihr entfernt euch deutlich von dem Teil Tallinns, den die meisten Besucher:innen sehen.
Über Kaja Pizza Köök schreibe ich noch ausführlicher, denn die Pizza hat definitiv einen eigenen Beitrag verdient.
Wie viel Zeit sollte man für Kalamaja und Telliskivi einplanen?
Wenn ihr nur Telliskivi sehen und einmal durch den Balti Jaama Turg laufen möchtet, könnt ihr das natürlich in ein bis zwei Stunden schaffen. Ich würde es nicht so machen.
Mindestens einen halben Tag finde ich wesentlich sinnvoller. Dann könnt ihr durch Telliskivi laufen, etwas essen oder Kaffee trinken und anschließend auch einige der Wohnstraßen von Kalamaja entdecken.
Mit Fotografiska, Balti Jaama Turg, einem Cafébesuch und einem längeren Spaziergang Richtung Krulli oder Pelgulinn könnt ihr problemlos fast einen ganzen Tag hier verbringen. Gerade die längeren Spaziergänge waren für mich wesentlich interessanter als das konzentrierte Abklappern einzelner Sehenswürdigkeiten.
Lohnt es sich, in Kalamaja zu übernachten?
Aus meiner Erfahrung: eindeutig ja. Meine Wohnung an der Haltestelle Salme war für eine Woche Tallinn ziemlich ideal. Ich war schnell in der Altstadt, konnte Telliskivi und große Teile von Kalamaja zu Fuß erreichen und hatte einen Supermarkt praktisch vor der Haustür. Gleichzeitig war die Umgebung deutlich ruhiger als die touristischen Straßen im Zentrum.
Der größte Vorteil war für mich aber, dass ich Kalamaja dadurch zu unterschiedlichen Zeiten erlebt habe. Ein Viertel wirkt am Samstagmittag vollkommen anders als an einem Montagmorgen oder spät am Abend. Genau diese unterschiedlichen Eindrücke hätte ich bei einem kurzen Ausflug wahrscheinlich nicht bekommen.
Wer bei einer Tallinn-Reise gern eine Ferienwohnung statt eines Hotels nimmt und nicht unbedingt mitten in der Altstadt schlafen möchte, sollte Kalamaja deshalb meiner Meinung nach bei der Unterkunftssuche berücksichtigen.
Mein Fazit zu Kalamaja und Telliskivi
Kalamaja gehörte für mich zu den Gegenden in Tallinn, die ich während meiner Woche am liebsten erkundet habe. Natürlich sind Telliskivi, Fotografiska und Balti Jaama Turg sehenswert. Was mich aber stärker fasziniert hat, war das Viertel dazwischen und drumherum.
Die alten Holzhäuser, von denen manche frisch saniert und andere sichtbar gealtert sind. Menschen, die ihren ganz normalen Alltag leben. Ehemalige Fabriken, die neue Nutzungen bekommen haben. Street-Art, Cafés und Restaurants. Und ein paar Straßen weiter bereits das nächste große Entwicklungsgebiet.
Kalamaja ist dadurch weder einfach ein historisches Holzhausviertel noch nur Tallinns hippe Kreativecke. Es ist vor allem ein Stadtteil im Wandel. Und genau deshalb würde ich hier nicht nur eine Stunde verbringen. Lauft los, nehmt Nebenstraßen mit, geht weiter als bis Telliskivi und schaut euch an, wie unterschiedlich Tallinn auf wenigen Kilometern sein kann.
Zu meinen ausführlichen Tipps für eine Woche Tallinn ohne Mietwagen


Häufige Fragen zu Kalamaja und Telliskivi
Lohnt sich Kalamaja in Tallinn?
Ja. Besonders wenn ihr historische Holzhäuser, Cafés, Fotografie, Street-Art und Stadtentwicklung spannend findet, gehört Kalamaja für mich zu den interessantesten Gegenden Tallinns. Der Reiz liegt weniger in einzelnen Sehenswürdigkeiten als in der Mischung aus Wohnviertel, alten Industriearealen und neuen Kreativorten.
Wie viel Zeit sollte man für Kalamaja und Telliskivi einplanen?
Ich würde mindestens einen halben Tag einplanen. Telliskivi und den Balti Jaama Turg könnt ihr zwar deutlich schneller besuchen, dann seht ihr aber nur einen kleinen Teil der Gegend.
Mit längeren Spaziergängen durch Kalamaja, Fotografiska, einem Café und vielleicht einem Abstecher Richtung Krulli könnt ihr problemlos einen ganzen Tag verbringen.
Ist Telliskivi ein eigenes Stadtviertel?
Nicht wirklich. Mit Telliskivi ist meistens die Telliskivi Creative City gemeint, ein ehemaliges Industrieareal am Rand von Kalamaja. Heute befinden sich dort Restaurants, Geschäfte, Kulturangebote, Street-Art und das Fotografiska Tallinn.
Wo findet man die typischen Holzhäuser von Kalamaja?
Die historischen Holzhäuser stehen über große Teile Kalamajas verteilt. Besonders gut könnt ihr sie beispielsweise rund um die Straßen Valgevase, Kungla, Kalju, Niine und Vana-Kalamaja entdecken.
Ich würde allerdings nicht nur eine bestimmte Straße ansteuern, sondern einfach etwas länger durch das Viertel laufen. Gerade in den Nebenstraßen findet ihr viele interessante Häuser.
Kann man Kalamaja gut zu Fuß erkunden?
Ja. Für mich ist zu Fuß sogar die beste Möglichkeit, Kalamaja kennenzulernen. Viele interessante Straßen liegen nah beieinander und gerade in den Nebenstraßen entdeckt ihr den Kontrast zwischen alten Holzhäusern, sanierten Gebäuden und ehemaligen Industrieflächen.
Wie kommt man von der Altstadt nach Kalamaja?
Von der Tallinner Altstadt könnt ihr problemlos zu Fuß nach Kalamaja laufen. Der Bahnhof Balti Jaam und der Balti Jaama Turg liegen direkt zwischen Altstadt und Kalamaja.
Je nach Ziel fahren außerdem Straßenbahnen und Busse durch das Viertel.
Lohnt es sich, in Kalamaja zu übernachten?
Aus meiner Sicht ja. Ich hatte während meiner Tallinn-Reise eine Ferienwohnung an der Haltestelle Salme und fand die Lage ideal. Altstadt und Telliskivi waren schnell erreichbar, gleichzeitig wohnte ich mitten in einem ruhigen Wohngebiet.
Besonders schön fand ich, Kalamaja dadurch morgens, abends und an unterschiedlichen Wochentagen erleben zu können.
Ist Kalamaja abends sicher?
Ich habe mich dort auch abends jederzeit wohlgefühlt. Kalamaja ist ein normales Wohnviertel und entsprechend auch nach Ladenschluss nicht verlassen.
Wie überall in einer größeren Stadt würde ich trotzdem die üblichen Vorsichtsmaßnahmen beachten. Meine Einschätzung beruht auf meinen persönlichen Erfahrungen während der Reise.
Ist Kalamaja stark gentrifiziert?
Kalamaja hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert und gilt als eines der bekanntesten Beispiele für Gentrifizierung in Tallinn. Viele historische Holzhäuser wurden saniert, neue Wohnungen gebaut und ehemalige Industrieflächen umgenutzt.
Gleichzeitig findet ihr weiterhin unsanierte und sichtbar gealterte Häuser. Gerade dieses Nebeneinander fand ich bei meinen Spaziergängen besonders interessant.
Was sollte man in Kalamaja und Telliskivi nicht verpassen?
Zu den bekanntesten Orten gehören die Telliskivi Creative City, Fotografiska Tallinn und der Balti Jaama Turg. Ich würde aber bewusst auch Zeit für die Wohnstraßen Kalamajas einplanen.
Wenn ihr länger unterwegs sein möchtet, lohnt sich außerdem ein Spaziergang weiter Richtung Krulli und Pelgulinn. Gerade abseits der bekanntesten Orte bekommt ihr einen besseren Eindruck davon, wie unterschiedlich sich das Viertel entwickelt hat.
Es sind nun einige Monate vergangen seitdem ich in der Stadt war, mein Herz ist aber immer noch so voll und ich hab so Lust, euch noch mehr zur estnischen Hauptstadt zu erzählen. Es wird also noch einige Beiträge geben. ♥

PS: Ihr mögt meinen Beitrag zu Kalamaja und Telliskivi? Vielleicht gefallen euch dann auch die anderen Beiträge zu Tallinn :)!

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