
Die Halde Hoheward ist meine liebste Halde im Ruhrgebiet. Ich nehme euch mit auf meine Runde von der Zeche Ewald bis zum Horizontobservatorium und zur Sonnenuhr, inklusive weiter Aussichten, überraschend viel Natur und Sonnenuntergang.
Inhalt
Ein ♥ für Hoheward
Ich habe im Ruhrgebiet inzwischen einige Halden gesehen. Aber wenn mich jemand fragt, welche ich am liebsten mag, muss ich nicht lange überlegen: die Halde Hoheward zwischen Herten und Recklinghausen.
Vielleicht liegt es auch daran, dass für mich schon der Weg nach oben dazugehört. Ich starte fast immer an der Zeche Ewald in Herten. Das ehemalige Zechengelände ist sowieso einer dieser Orte, die ziemlich genau das verkörpern, was ich am Ruhrgebiet mag: Industriekultur, viel Platz und direkt dahinter erstaunlich viel Natur.
Und bevor es losgeht, gehört inzwischen fast schon ein kleines Ritual dazu. Noch schnell am Snackautomaten ein Knoppers ziehen. Oder, wenn ich vorher etwas besser geplant habe, Proviant für ein kleines Picknick mitnehmen. Dann geht es langsam nach oben.
Wenn ihr noch mehr Halden entdecken wollt: In meinem Beitrag zu den schönsten Halden im Ruhrgebiet findet ihr meine persönliche Top 10 von Moers bis Bergkamen.
Von der Zeche Ewald auf die Halde Hoheward
Ich laufe die Halde eigentlich nie mit dem Anspruch hoch, möglichst schnell oben anzukommen. Dafür mag ich den Weg viel zu gerne. Schon nach den ersten Höhenmetern verändert sich der Blick. Einer meiner liebsten Punkte ist eine Plattform oberhalb der Zeche Ewald. Von dort schaut man zurück auf das Gelände und vor allem auf die beiden markanten Fördergerüste.
Für mich ist das eines dieser Bilder, die sehr Ruhrgebiet sind: unten die alte Zeche, dahinter Städte, Straßen und Industrie und rundherum immer mehr Grün. Danach geht es weiter nach oben. Teilweise über breite Wege, teilweise zwischen kleinen Hügeln und Erdwällen hindurch. Und irgendwann merkt man, wie absurd groß die Halde eigentlich ist.


Wie groß ist die Halde Hoheward eigentlich?
Das frage ich mich tatsächlich jedes Mal, wenn ich dort unterwegs bin.
Die Halde Hoheward selbst umfasst rund 170 Hektar, also etwa 1,7 Quadratkilometer. Aufgeschüttet wurde sie aus ungefähr 180 Millionen Tonnen Bergematerial.
1,7 Quadratkilometer kann ich mir allerdings ungefähr genauso schlecht vorstellen wie 170 Hektar. Deshalb habe ich das einmal in etwas greifbarere Größen übersetzt ;)!
- Rund 238 Fußballfelder würden auf die Fläche der Halde passen, wenn man mit einem 105 mal 68 Meter großen Spielfeld rechnet
- Fast drei Grugaparks passen flächenmäßig auf Hoheward, der Grugapark in Essen umfasst rund 60 Hektar
- Gut ein Viertel des Düsseldorfer Flughafens entspricht der Fläche der Halde. Der Airport kommt auf 6,13 Quadratkilometer, Hoheward auf 1,7 Quadratkilometer
- Etwa 1.500 Halden Hoheward müsste man nebeneinanderlegen, um ungefähr auf die Fläche des Saarlands zu kommen. Das Saarland umfasst rund 2.572 Quadratkilometer
Vor allem der Vergleich mit dem Flughafen Düsseldorf hat mich überrascht. Beim Herumlaufen wirkt Hoheward riesig. Trotzdem würde die gesamte Halde rein flächenmäßig knapp viermal auf das Flughafengelände passen.
Und gleichzeitig sind 170 Hektar eben so groß, dass man dort nicht nur einmal hoch und wieder runter läuft. Rund um die Halde gibt es Serpentinen, verschiedene Aufstiege und eine rund sechs Kilometer lange Balkonpromenade.
Kein Wunder also, dass ich nach einer vernünftigen Runde ziemlich schnell meine 10.000 Schritte zusammenhabe.







Was ich an Hoheward liebe: Die Landschaft verändert sich ständig
Was auf Fotos manchmal gar nicht so richtig rüberkommt, ist die unterschiedliche Natur auf der Halde. Hoheward ist nicht einfach ein großer grüner Hügel. Auf dem Weg nach oben laufe ich durch ganz unterschiedliche Bereiche. Mal geht es an dichten Sträuchern und jungen Bäumen vorbei, dann wieder über offene Wiesen. Es gibt trockenere, fast karge Stellen und weiter unten deutlich dichtere Vegetation. Oben öffnen sich schließlich riesige Grasflächen, über denen der Wind ziemlich ungebremst hinwegziehen kann.
Und überall bewegt sich etwas. Vögel fliegen über die Wiesen, verschwinden in den Sträuchern oder kreisen über der Halde. Gerade wenn ich langsam unterwegs bin und nicht nur auf das Ziel oben zulaufe, fällt mir jedes Mal auf, wie lebendig das Gelände eigentlich ist.
Das ist nicht nur mein Eindruck. Bei einem GEO-Tag der Artenvielfalt wurden auf Hoheward bereits 2012 822 Tier- und Pflanzenarten gefunden. Unter den dokumentierten Pflanzen waren beispielsweise Johanniskraut, Wiesen-Labkraut, Natternkopf, verschiedene Storchschnabelarten, Wald-Erdbeeren, Glockenblumen und Flockenblumen. Auch Kreuzkröten, Libellen und zahlreiche Schmetterlinge wurden nachgewiesen.
Rund um den Ewaldsee und den angrenzenden Emscherbruch wird es noch einmal ganz anders. Dort haben sich durch Bergsenkungen Feuchtgebiete und eine Art Auenwald entwickelt. Der RVR nennt unter anderem Bläss- und Teichhühner, verschiedene Entenarten, Schwäne, Haubentaucher, Kormorane, Gänse und Graureiher. Auch Eisvögel kommen im Gebiet vor.
Eigentlich ist es ziemlich verrückt: Man läuft auf einem Berg herum, der komplett von Menschen aufgeschüttet wurde, und ausgerechnet dort ist heute eine der abwechslungsreicheren Landschaften der Umgebung entstanden. Diese überraschend unterschiedlichen Landschaften sind ohnehin etwas, das ich am nördlichen Ruhrgebiet mag. Ein ganz anderes Beispiel dafür ist die Westruper Heide in Haltern am See.
Und dann fliegen da plötzlich Gleitschirme herum
Eines meiner persönlichen Highlights sind die Paraglider. Es passt irgendwie perfekt zu diesem Ort. Man steht auf einer ehemaligen Bergehalde mitten im Ruhrgebiet, schaut auf Zechentürme, Autobahnen und Städte und plötzlich hebt vor einem ein Gleitschirm ab.
Das passiert dort nicht zufällig. Seit 2021 gibt es auf Hoheward ein offiziell zugelassenes Trainings- und Fluggelände für Gleitschirmflieger. Das baumfreie Wiesengelände hat eine Höhendifferenz von rund 40 Metern und kann bei verschiedenen Windrichtungen genutzt werden. Betrieben wird das Gelände vom Verein Ruhrpott-Paragliding.
Ich könnte denen ehrlich gesagt ziemlich lange zugucken. Gerade wenn die Schirme über den großen Wiesen stehen und dahinter die Ruhrgebietskulisse auftaucht, sieht Hoheward für ein paar Minuten überhaupt nicht mehr nach dem aus, was man sich klassischerweise unter einer Halde vorstellt.





Ganz oben wird Hoheward noch einmal anders
Je höher man kommt, desto offener wird die Landschaft. Und dann gibt es diese Abschnitte, die ich besonders mag: breite Wege, Grasflächen und teilweise fast künstlich wirkende kleine Hügel und Erdwälle. Natürlich ist hier letztlich alles künstlich entstanden. Aber genau das finde ich spannend.
Aus 180 Millionen Tonnen Material, das der Bergbau an die Oberfläche gebracht hat, ist ein Ort geworden, an dem heute Menschen spazieren, Mountainbike fahren, picknicken, Vögel beobachten oder mit dem Gleitschirm fliegen. Und irgendwann steht man ganz oben.
Zum Sonnenuntergang ist Hoheward für mich am schönsten
Wenn ich mir aussuchen kann, wann ich auf die Halde gehe, dann am liebsten am späten Nachmittag. Denn zum Sonnenuntergang ist Hoheward für mich einer der schönsten Orte im Ruhrgebiet. Von oben reicht der Blick weit über das zentrale Ruhrgebiet. Dieser weite Himmel über dem Ruhrgebiet ist sowieso etwas, das ich an der Region erst mit der Zeit richtig schätzen gelernt habe. Und wenn die Sonne langsam tiefer steht, verändert sich die komplette Atmosphäre. Die Städte verschwimmen am Horizont, irgendwo drehen sich Windräder und die großen Stahlbögen des Horizontobservatoriums zeichnen sich gegen den Himmel ab.
Vor allem fühlt sich Hoheward dann erstaunlich weit weg vom Alltag an. Dabei steht man noch immer mitten im Ruhrgebiet. Genau das ist einer der Gründe, warum ich immer wieder hierherkomme. Ich muss hier nichts Besonderes machen. Ich kann einfach laufen, irgendwo sitzen, mein Knoppers essen oder mein Picknick auspacken und gucken, wie langsam die Sonne verschwindet.







Horizontobservatorium und Sonnenuhr gehören zu meiner Runde
Wenn ich oben angekommen bin, drehe ich meistens noch eine größere Runde über die Plateaus. Natürlich gehört das Horizontobservatorium dazu. Seine beiden riesigen Stahlbögen machen Hoheward schon aus großer Entfernung unverwechselbar. Das Bauwerk wurde tatsächlich als astronomisches Beobachtungsinstrument konzipiert. Mithilfe der Bögen und verschiedener Peilmarken lassen sich unter anderem Sonnenlauf und Jahreszeiten nachvollziehen.
Danach laufe ich meistens weiter zur großen Sonnenuhr auf dem südöstlichen Plateau. Und „Sonnenuhr“ klingt eigentlich viel zu klein für das, was dort steht. Der fast neun Meter hohe Obelisk wirft seinen Schatten auf eine rund 3.000 Quadratmeter große Fläche. Stunden- und Datumslinien zeigen dort bei entsprechendem Sonnenstand die wahre Ortszeit und sogar das Datum an.
Mich interessiert daran allerdings fast noch mehr der Ort selbst. Die große gepflasterte Fläche, der einzelne Obelisk, die offenen Wiesen drumherum und dieser gigantische Himmel darüber haben etwas Eigenartiges. Gerade kurz vor Sonnenuntergang.









Warum Hoheward meine liebste Halde im Pott ist
Vielleicht gibt es Halden mit spektakuläreren einzelnen Landmarken, wie dem Tetraeder in Bottrop Vielleicht gibt es Punkte, von denen man noch weiter schauen kann. Aber keine andere Halde verbindet für mich so viele Dinge gleichzeitig.
Die Zeche Ewald am Anfang. Der Blick auf die Fördergerüste. Der lange Weg nach oben. Wiesen, Sträucher und kleine Waldstücke. Vögel über den Hängen. Gleitschirme am Himmel. Die riesigen offenen Flächen auf dem Gipfel. Horizontobservatorium und Sonnenuhr. Und am Ende dieser Blick über das Ruhrgebiet.
Vor allem ist Hoheward für mich kein Ort, den man einmal besucht und dann abhakt. Ich fahre hin, hole mir mein Knoppers und laufe los. Manchmal nehme ich einen anderen Weg. Manchmal mache ich eine größere Runde. Manchmal bleibe ich irgendwo viel länger sitzen als geplant. Und wenn das Wetter mitspielt, bleibe ich bis zum Sonnenuntergang.
Wenn ich nur eine Halde im Ruhrgebiet empfehlen dürfte, wäre es deshalb Hoheward. ♥

PS: Hinweis für 2026: Rund um das Horizontobservatorium gibt es derzeit Sperrungen wegen der geplanten Sanierung. Seit August 2026 ist deshalb unter anderem der direkte Weg zwischen Sonnenuhr und Observatorium nicht mehr möglich. Die Fertigstellung der Sanierung ist derzeit bis Ende 2027 vorgesehen.
FAQ zur Halde Hoheward: Anreise, Parken und Besuch
Wo liegt die Halde Hoheward?
Die Halde Hoheward liegt zwischen Herten und Recklinghausen im nördlichen Ruhrgebiet. Sie gehört zum Landschaftspark Hoheward, zu dem unter anderem auch die benachbarte Halde Hoppenbruch und das Gelände der ehemaligen Zeche Ewald gehören. Mein bevorzugter Ausgangspunkt ist die Zeche Ewald in Herten.
Wie komme ich mit dem Auto zur Halde Hoheward?
Mit dem Auto ist die Halde über die A2, A42 und A43 gut erreichbar. Wenn ihr wie ich an der Zeche Ewald starten möchtet, könnt ihr als Adresse Werner-Heisenberg-Straße 14, 45699 Herten ins Navi eingeben. Alternativ nennt der RVR die Ewaldstraße 261 als Navigationsadresse.
Wo kann ich an der Halde Hoheward parken?
Für meine Runde ab Zeche Ewald sind die kostenlosen Parkplätze am Doncaster Platz West und Ost am praktischsten. Von dort seid ihr direkt auf dem ehemaligen Zechengelände und könnt euren Aufstieg beginnen.
Weitere Parkmöglichkeiten gibt es unter anderem am Zugang Am Handweiser, Herner Straße 198 in Herten, an der Karlstraße 55 in Recklinghausen nahe der Drachenbrücke und am Ende der Hohewardstraße.
Kann ich mit Bus und Bahn zur Halde Hoheward fahren?
Ja. Für einen Start an der Zeche Ewald könnt ihr beispielsweise bis zur Haltestelle „Bergwerk Ewald 1/2“ fahren. Dort hält der SB27 aus Richtung Wanne-Eickel Hauptbahnhof beziehungsweise Marl Mitte.
Eine weitere Möglichkeit ist die Haltestelle „Gelsenkirchener Str.“, die mit dem Bus 210 aus Richtung Herten Mitte beziehungsweise Recklinghausen Süd erreichbar ist.
Wo starte ich am besten für einen Spaziergang auf Hoheward?
Ich würde immer wieder die Zeche Ewald wählen. Natürlich gibt es mehrere Zugänge zur Halde, aber für mich gehört das ehemalige Zechengelände zum Erlebnis dazu. Ich mag den Weg von dort nach oben, den Blick zurück auf die Fördergerüste und natürlich mein kleines Ritual mit dem Snackautomaten.
Wer möglichst direkt in Richtung Horizontobservatorium möchte, kann dagegen auch am Zugang Am Handweiser starten.
Wie viel Zeit sollte ich für die Halde Hoheward einplanen?
Das hängt stark davon ab, wie groß eure Runde werden soll. Die Balkonpromenade ist etwa 6,4 Kilometer lang, der ausgeschilderte Hoheward-Rundweg sogar 15,2 Kilometer.
Wenn ihr wie ich in Ruhe nach oben laufen, Aussichtspunkte mitnehmen, zur Sonnenuhr gehen und zwischendurch einfach mal sitzen wollt, würde ich mindestens zwei bis drei Stunden einplanen.
Ist der Aufstieg auf die Halde Hoheward anstrengend?
Ihr müsst keine Bergsteiger:innen sein, ein bisschen Kondition schadet aber nicht. Die Halde erhebt sich rund 111 Meter über ihre Umgebung, und je nach Route gibt es längere Steigungen, Serpentinen oder Treppen.
Gerade für eine größere Runde würde ich bequeme Schuhe anziehen und bei warmem Wetter Wasser mitnehmen.
Ist die Halde Hoheward kostenlos und wann ist sie geöffnet?
Der Besuch der Halde kostet keinen Eintritt. Das Haldengelände ist für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen rund um die Uhr zugänglich. Das RVR-Besucherzentrum auf der Zeche Ewald hat dagegen eigene Öffnungszeiten.
Gibt es Toiletten auf der Halde Hoheward?
Direkt auf der Halde gibt es keine Toiletten. Öffentliche Toiletten findet ihr in der Lohn- und Lichthalle auf der Zeche Ewald, in der sich auch das RVR-Besucherzentrum befindet.
Gerade wenn ihr länger unterwegs sein wollt, würde ich das vor dem Aufstieg einplanen.
Kann ich mit dem Fahrrad auf die Halde Hoheward?
Ja. Die Halde ist auch für Radfahrer:innen erschlossen und es gibt zusätzlich ausgewiesene Mountainbike-Strecken. Wenn ihr über die Zeche Ewald kommt, führt der Knotenpunkt 43 des radrevier.ruhr direkt auf das Gelände. Einige Wege haben allerdings deutliche Steigungen.
Darf ich meinen Hund mit auf die Halde Hoheward nehmen?
Ja, Hunde dürfen mit. Auf dem gesamten Haldengelände besteht allerdings Leinenpflicht.
Kann ich auf der Halde Hoheward picknicken?
Für mich gehört ein kleiner Proviant fast schon dazu. Direkt auf der Halde gibt es keine Gastronomie, auf dem Gelände der Zeche Ewald findet ihr aber Einkehrmöglichkeiten.
Wichtig: Grillen und offenes Feuer sind auf der Halde nicht erlaubt.
Wann ist die Halde Hoheward am schönsten?
Für mich ganz klar: am späten Nachmittag und zum Sonnenuntergang. Dann lohnt es sich, genug Zeit einzuplanen und nicht erst kurz vor Sonnenuntergang nach oben zu hetzen.
Gerade rund um Sonnenuhr und Horizontobservatorium ist die Stimmung bei tief stehender Sonne für mich am schönsten. Das ist auch einer der Gründe, warum Hoheward meine liebste Halde im Ruhrgebiet ist.
Ist das Horizontobservatorium aktuell zugänglich?
Stand September 2026 gibt es Einschränkungen und Sperrungen rund um das Horizontobservatorium. Wegen der Sanierungsarbeiten ist unter anderem der direkte Weg zwischen Sonnenuhr und Observatorium betroffen.
Wenn euch die beiden Punkte wichtig sind, würde ich deshalb vor dem Besuch noch einmal den aktuellen Stand beim RVR prüfen.

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