
Wie jedes Jahr frage ich mich: Muss das wirklich so lang werden? Und wie jedes Jahr lautet die Antwort: Ja. Muss es. Denn 2025 war kein Jahr für knappe Bulletpoints. Es war ein Jahr für Zwischenräume, Nebensätze und kleine Beobachtungen.

Los geht’s.
#1 – Durchhalten ohne Glanz (aka: das Jahresmotto, das ich mir nicht ausgesucht habe)
Es gibt Jahre, die schreien nicht nach Rückblick. Die flüstern eher. 2025 war so eins. Viel Alltag, wenig Applaus. Kein Totalausfall, aber auch kein Glanzjahr. Eher dieses leise Weitermachen, bei dem man merkt: Das hier kostet gerade Kraft, auch wenn es von außen ganz okay aussieht.

Manche Dinge verändern sich nicht plötzlich, sondern schleichend. Die Krankheit meines Vaters gehört dazu. Die Demenz ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass er kaum noch spricht.
Ich habe ein Video von vor etwa einem Jahr. Wir essen Kürbissuppe. Und er weiß immerhin noch, dass das „die großen gelben Bälle“ sind. Dieser Satz ist winzig. Und gleichzeitig riesig. Denn am Ede des Jahres weiß er nicht mehr, was Suppe ist.
#2 – Weniger gefallen wollen
Ein Gedanke, der sich durchs Jahr gezogen hat: Wie viel Energie es kostet, Erwartungen zu erfüllen, die gar nicht meine sind. Vor allem die von Kund:innen. Ich möchte mehr ich sein. Bei der Arbeit, auf LinkedIn, im Alltag. Weniger glatt, weniger gefallen, mehr Haltung. Kein lauter Vorsatz. Eher ein leiser Richtungswechsel. Denn natürlich schreibe ich ja schon seit einigen Jahren hier relativ ungefiltert ins Netz, was ich so denke. Aber nun soll das beruflich auch ein bisschen authentischer werden. Den Anstoß dazu gegeben hat mir Marieke Frick in einem Webinar zum Thema KI. Denn wenn alle nur noch ChatGPT schreiben lassen, klingt irgendwann alles so beliebig gleich. Von daher versuche ich nicht nur hier, sondern auch unter julius-brockmann.de seit einigen Monaten wieder mehr meine eigne Stimme zu finden.

#3 – Danzig, Wrzeszcz, Langfuhr: einfach sitzen
Ein Nachmittag in Danzig, der mir sehr im Kopf geblieben ist. Ich saß im Café Langfuhr, trank eine Limo und habe Leute beobachtet. Kein Plan, kein Ziel, kein Output. Einfach Sein. Falls ihr Lust habt auf diese ruhigere Seite der Stadt, abseits der Touris: Im Beitrag „Vegan essen in Danzig: Café-Tipps aus dem Stadtteil Wrzeszcz (Langfuhr)“ habe ich dazu gebloggt.
#4 – Das Elsass: Fachwerk, Weinberge und nasse Schuhe
Vier Tage, sieben Orte, sehr viele Eindrücke. Straßburg, Colmar, Eguisheim, Kaysersberg und Hohkönigsburg. Im Herbst war ich mit ein paar Freunden in Frankreich unterwegs. Ich mochte diese Mischung aus Postkartenmomenten und kleinen Realitätschecks. Verlaufen im Wald inklusive. Meinen ausführlichen Reisebericht gibt es hier: „Elsass-Rundreise: Straßburg, Colmar und die schönsten Dörfer in vier Tagen“.

#5 – Café-Neuentdeckung des Jahres: Wie lange kann man etwas auf der Liste haben?
Monate. Mindestens Monate. Ich hatte das Café Heinrichs gefühlt ewig auf meiner inneren Liste. Immer wieder vorbeigescrollt, immer wieder gedacht: Da musst du mal hin. Und dann war es jedes Mal geschlossen. Timing-Fail deluxe.
Im Oktober hatte ich Glück. Verkaufsoffener Sonntag, das Heinrichs offen, ich vorsichtshalber noch schnell über Instagram einen Tisch reserviert. Drinnen: klein, ruhig, Gelbtöne. Pflanzliche Küche, ein Wochengericht. Ich nahm das Sunday-Special. Focaccia, indische Gewürze, Kurkuma-Coleslaw, knuspriger Kerala-Austernpilz, Tamarinden-Chutney, Curryblatt-Mayo, Green Raita, Zitronen-Achar, Koriander. Viel Text, ja. Auf dem Teller aber glasklar. Knusprig, frisch, würzig, sauer, scharf. Unfassbar gut.
Ein paar Wochen später war ich nochmal da. Und aß eine der besten Spaghetti Bolognese auf Tofu-Basis, die ich je hatte. Wenn ihr in Paderborn seid, geht da unbedingt hin.

#6 – Apfelkuchen mit Marzipan: Herbst in Blechform
Manchmal rettet einen kein Urlaub, sondern ein Backofen. Butter, Zimt, Äpfel, Marzipan. Dieser Geruch, wenn drinnen alles warm ist und draußen der Herbst anklopft. Mein Apfelkuchen vom Blech mit Marzipan war genau so ein Moment. Soulfood deluxe. Ich habe ihn in diesem Jahr mehrfach gebacken und er hat es auch in den Blog geschafft.
#7 – Mallorca mit Toni: Stille, Wärme, Sonnenaufgänge
Hochsommer auf dem Land, eine alte Villa, die wir zu zweit hatten. Morgens Sonnenaufgang auf der Terrasse. Wenig Worte, viel Verständnis. Ich kenne Toni seit 2004. Und der nicht geplante Urlaub auf Mallorca im Sommer war eine der besten Entscheidungen in diesem Jahr.
Ich war ja schon als Kind oft auf der Insel und hatte eigentlich nicht so Bock, aber dadurch, dass wir dieses Haus von einer Freundin von ihr mieten konnten, war es ein super ruhiger, entspannter Urlaub. Wir sind früh morgens schwimmen gegangen, wenn in den Buchten noch Platz war, ich habe gelesen, die Ruhe genossen und zum ersten Mal die Kathedrale in Palma besucht.

#8 – Reisetipp des Jahres: ein Blick auf Paris von außen

Paris ist schön. Keine neue Erkenntnis. Aber mein liebster Fotospot lag diesmal außerhalb des Zentrums: der Belvédère de Meudon. Ein weiter Blick über die Stadt, der Eiffelturm eingebettet ins Panorama, erstaunlich ruhig. Etwa 50 Minuten Anfahrt aus der Innenstadt. Lohnt sich. Und der Vorort ist auch überraschend süß. Kleiner Hinweis aus Erfahrung: Die Tram braucht ein extra Ticket, Paris kontrolliert gern und gründlich. Also achtet darauf, dass ihr das richtige Ticket habt ;)!
#9 – Weltlage als Hintergrundrauschen
Krieg in der Ukraine, schlechte Nachrichten, Dauerkrisen. Dieses permanente Gefühl, dass die Welt nie wirklich zur Ruhe kommt. Ich habe gemerkt, wie sehr mich dieses Grundrauschen in 2025 ermüdet hat. Und auch beruflich war 2025… sagen wir: herausfordernd. Kaum Neukund:innen, einige alte, sehr lieb gewonnene Kund:innen sind weggebrochen, wirtschaftlich alles nervös. Viel Nachdenken, viel Abwägen, wenig Sicherheit. Und immer wieder diese Frage: Ist das gerade eine Phase oder ein Zeichen? Man macht weiter, aber innerlich fehlt aktuell der Schwung.
#10 – Weihnachtswunder in Essen: kollektive Wärme
Zum Jahresende dann noch ein Moment, der gut getan hat: das WDR 2 Weihnachtswunder auf dem Burgplatz in Essen. Ich wollte da erst eigentlich nicht hin, weil ich im Dezember ein bisschen Burn-out hatte – aber bin richtig froh, mich dann doch aufgerafft habe. Viele Menschen, Musik, Spenden, gemeinsames Feiern: Das Weihnachtswunder ist jedes Jahr etwas Besonderes und nachdem ich es schon letztes Jahr im Jahresrückblick hatte, ist es auch in diesem Winter ein Highlight für mich gewesen :)!
#11 – Bundestagswahl, Unions-Wahlkampf und der Moment, in dem mir endgültig der Kragen geplatzt ist

Anfang des Jahres war Bundestagswahl. Und selten hat mich ein Wahlkampf so irritiert wie der der Union. Der Ton, die Zuspitzung, das permanente Schielen nach rechts. Vor allem die Abstimmungen mit der AfD im Bundestag, bewusst in Kauf genommen und politisch legitimiert durch Friedrich Merz, fand ich schlicht inakzeptabel. Das hat nichts mehr mit konservativen Werten zu tun, das war verantwortungslos.
Paradoxer Effekt: Genau das hat dafür gesorgt, dass ich den Grünen beigetreten bin. So gesehen, Danke Merz. Und trotzdem, das ist mir wichtig: Die Union besteht zum Glück nicht nur aus Jens Spahn, Julia Klöckner und Friedrich Merz. Es gibt sie noch, die vernünftigen Konservativen. Leute wie Daniel Günther oder Hendrik Wüst, die zeigen, dass Regieren auch ohne Kulturkampf und Spalten geht.
Gerade in NRW, wo CDU und Grüne zusammenarbeiten, funktioniert das überraschend gut. Bei einem Ausflug in den Landtag Ende des Jahres habe ich tatsächlich etwas gespürt, das mir lange gefehlt hat: vorsichtige Hoffnung. Dass es eine Post-Merz-Ära geben wird. Und dass Konservative vielleicht wieder zu dem zurückfinden, was sie eigentlich sein sollten: verantwortungsvoll und verlässlich. Das ist vielleicht ein bisschen naiv. Aber ein kleiner Lichtstreif. Und der hat 2025 gutgetan.

#12 – Zu wenig gegessen (und das ist kein Scherz)
Rückblickend muss ich feststellen: 2025 war auch kulinarisch nicht optimal ausbalanciert. Ich habe einige Dinge eindeutig zu selten gegessen. Allen voran: Spaghetti-Eis. Viel zu wenig Spaghetti-Eis. Erschreckend wenig, wenn man bedenkt, dass es dafür eigentlich keine Ausrede gibt. Kein Stress, kein Wetter, kein Kalendertermin rechtfertigt ein Jahr mit dieser niedrigen Spaghetti-Eis-Quote. Das nehme ich mir vor für 2026: öfter mal in die Eisdiele gehen. Manchmal liegt die Lösung eben in Vanilleeis, Sahne und Erdbeersoße.
#13 – Serie des Jahres? Ich schwanke immer noch
Dieses Jahr hatte ich keine Lieblingsserie. Stattdessen gibt es mehrere Serien, die auf unterschiedliche Weise zu meinem Jahr gepasst haben.

„Boots“ (Netflix) spielt Anfang der 1990er Jahre und erzählt die Coming-of-Age-Geschichte von Cameron Cope, einem gemobbten Teenager, der zusammen mit seinem besten Freund in die United States Marine Corps eintritt. Dabei geht es nicht nur um körperliche Strapazen im Bootcamp, sondern auch um Identität, Freundschaft und das Finden der eigenen Stärke in einer Welt, in der Homosexualität im Militär damals noch illegal war. „Boots“ wurde trotz guter Kritiken nach einer Staffel nicht fortgeführt, was ich persönlich sehr schade finde.
Dann „Das Gift der Seele“ (Amazon Prime Video) – eine Psychothriller-Miniserie nach dem Roman The Girlfriend. Darin führt Laura Sanderson ein scheinbar perfektes Leben, bis ihr Sohn seine neue Freundin Cherry Laine mit nach Hause bringt. Schnell kippt Lauras Vertrauen in Misstrauen, und was harmlos beginnt, entwickelt sich zu einem immer intensiver werdenden Kampf zwischen Mutter und Freundin, in dem Kontrolle, Manipulation und Sehnsucht nach Nähe ineinander übergehen. Es ist eine Serie über Beziehungen, Zweifel und die dunkleren Seiten zwischenmenschlicher Nähe, die in der Eskalation ihre Spannung findet.
Und schließlich die neue Staffel von „Weihnachten zu Hause“. Anders als die beiden anderen ist sie kein Thriller oder Drama, sondern eine eher wärmende, vertraute Serie über Familie, Festtage und das Aushalten von Nähe. Figuren, die man kennt, kleine Konflikte, die sich am Ende irgendwie versöhnen lassen. In einem anstrengenden Jahr wie 2025 war das für mich eine Art Comfort Food. Kein großer Anspruch, kein Mehrwertversprechen, sondern Verlässlichkeit.

Und damit endet mein Jahresrückblick auf 2025. Danke an alle, die hier mitlesen, mir schreiben, kommentieren oder mir einfach still folgen. Für die Gespräche, die Rückmeldungen und die kleinen Begegnungen zwischendurch. Das bedeutet mir mehr, als man oft denkt.
Danke ♥
Ich wünsche euch allen ein gutes, gesundes 2026.

PS: Für 2026 wünsche ich mir vor allem eines: mehr Luft. Mehr kleine Auszeiten, mehr Orte, an denen man einfach sein kann. Reisen stehen deshalb wieder weiter oben auf meiner Liste. Und wer weiß – vielleicht entsteht daraus ja auch wieder etwas zum Ausdrucken und Aufhängen wie der Elsass-Kalender 2026.



