
Als ich bei Instagram angekündigt hatte, dass ich ein paar Tage ans IJsselmeer fahre, bekam ich den Tipp, unbedingt einen Abstecher nach Giethoorn zu machen. Giethoorn? Nie gehört. Ein paar Bilder später war ich ziemlich angefixt. Wieso hatte ich noch nie von diesem kleinen Ort in den Niederlanden gehört, der mit seinen Grachten, Brücken und reetgedeckten Häusern fast ein bisschen wie ein holländisches Disneyland aussieht?
Zuletzt aktualisiert: September 2026
Auf den Fotos im Internet sah ich schmale Kanäle, liebevoll gepflegte Gärten und kleine Boote, die zwischen den Häusern hindurchfuhren. Es sah alles ziemlich idyllisch aus. Und tatsächlich wurden meine Erwartungen nicht enttäuscht. Giethoorn ist einer dieser Orte, die auf Fotos schon hübsch aussehen und vor Ort noch einmal deutlich mehr Charme haben.
Der historische Teil von Giethoorn ist weitgehend autofrei. Statt großer Straßen ziehen sich Kanäle, Fußwege und zahlreiche kleine Brücken durch den Ort. Genau das macht Giethoorn zu einem der ungewöhnlichsten Ausflugsziele in den Niederlanden.
Inhalt
Lohnt sich ein Ausflug nach Giethoorn?
Ja, vor allem wenn ihr kleine niederländische Orte, Grachten und besondere Landschaften mögt. Giethoorn lässt sich hervorragend zu Fuß erkunden, noch schöner ist der Blick auf das Dorf aber vom Wasser aus. Für einen Besuch würde ich mindestens einen halben Tag einplanen. Wer zusätzlich ein Boot mieten, fotografieren und ohne Zeitdruck irgendwo einkehren möchte, kann hier problemlos einen ganzen Tag verbringen.
Besonders angenehm fand ich unseren Besuch im September. Es war noch warm und sonnig, aber deutlich ruhiger, als Giethoorn an manchen Sommertagen offenbar sein kann.



Also nervte ich meine Begleitung Robin immer wieder damit, dass wir am Samstag unbedingt nach Giethoorn fahren müssten. Also unbedingt. Nicht vielleicht. Ich wollte auch keine anderen Vorschläge hören. Zwolle oder Schokland kamen für mich nicht in die Ausflugstüte, es musste Giethoorn sein.
Mit dem Auto kommt man nicht direkt in den historischen Teil von Giethoorn. Rund um den Dorfkern gibt es aber zahlreiche ausgewiesene Parkplätze, von denen aus die Grachten meist schnell zu Fuß erreichbar sind. Viele davon sind kostenlos. Gerade an gut besuchten Tagen lohnt es sich allerdings, nicht erst mitten im Zentrum nach einem Stellplatz zu suchen.
Und dann wäre da natürlich noch die schönere Variante: ein Boot mieten und Giethoorn vom Wasser aus erkunden. Kleine sogenannte Fluisterboote gibt es aktuell je nach Anbieter ab etwa 25 Euro, komfortablere Boote kosten entsprechend mehr. Eine klassische Rundfahrt mit Guide startet teilweise schon bei rund 12,50 Euro pro Person. Die Preise variieren allerdings deutlich nach Boot, Dauer und Anbieter.



Wo Holland am schönsten ist
Giethoorn wird auch das holländische Venedig genannt. Obwohl mich hier bis auf die Schiffchen wenig an Italien erinnert. Es sieht hier alles schon sehr nordisch aus. Das Dorf hat nur rund 2.800 Einwohner, zieht aber jedes Jahr ein Vielfaches davon an Besucher an. Allein 2025 wurden für das Zentrum rund 1,27 Millionen unterschiedliche Besucher erfasst. Kein Wunder also, dass Giethoorn international so bekannt ist.
Zu Recht. Die etwa acht Kilometer lange Dorfgracht mit ihren Abzweigungen führt an wunderschönen Häusern und Gärten vorbei, die oft nur über eine der vielen Holzbrücken erreichbar sind.

Im September ist Giethoorn zwar touristisch noch gut besucht, aber nicht unbedingt überlaufen. Trotz hervorragenden Wetters gab es bei unserem Besuch zahlreiche Ecken und Wege, an denen wir weitgehend ungestört waren.
Besonders aufgefallen ist mir die Ruhe. Der historische Dorfkern ist weitgehend autofrei. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber man ist doch wirklich nur selten an einem gut besuchten Ort, an dem kaum Straßenlärm zu hören ist. Ich zumindest habe mich so sehr daran gewöhnt, Busse, Autos und Straßenbahnen im Hintergrund zu hören, dass es mir sofort auffällt, wenn sie fehlen. Genau das trägt für mich viel zur besonderen Stimmung in Giethoorn bei.



Giethoorn liegt inmitten einer weitläufigen Moor- und Seenlandschaft und direkt am Nationalpark Weerribben-Wieden. Auch davon hatte ich bis zu meinem Ausflug noch nie etwas gehört.
Wer der Dorfgracht weiter in Richtung Osten folgt und an einigen neueren Ferienhäusern vorbeikommt, erreicht schließlich den Bovenwijde. Der große See gehört für mich unbedingt zu einem Besuch in Giethoorn dazu. Hier wird es deutlich offener als zwischen den schmalen Grachten, und auf dem Wasser sind zahlreiche kleine Boote unterwegs.
Über einen Steg gelangt man zum Smit’s Pavilion, der weit in den See hineinragt. Von hier aus hat man einen besonders schönen Blick über den Bovenwijde. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann Giethoorn außerdem gut mit einem Ausflug in den Nationalpark Weerribben-Wieden verbinden.
Die Niederlande sind einfach toll. Hier ein paar weitere Beiträge zu unserem Nachbarland:
>>> Urlaub in Katwijk aan Zee: Drei Tage Entschleunigung in Südholland
>>> Amsterdam Noord: Der bunte, alternative Norden der niederländischen Hauptstadt
>>> Urk: Ein Plädoyer für Urlaub am IJsselmeer
Zurück im Dorfkern merkt man schnell, wie international Giethoorn inzwischen ist. Tatsächlich ist der kleine Ort besonders bei Reisenden aus Asien schon seit vielen Jahren bekannt. Vor allem in China wurde Giethoorn zu einem beliebten Reiseziel, lange bevor ich selbst überhaupt von dem Dorf gehört hatte.
Das zeigt sich auch vor Ort: Speisekarten und Hinweisschilder gibt es teilweise in mehreren Sprachen, und auf den Grachten hört man ein ziemliches internationales Sprachgemisch. Gleichzeitig begegnet einem natürlich weiterhin viel Niederländisch. Deutsch habe ich bei unserem Besuch dagegen überraschend selten gehört.



Warum sollte ich nach Giethoorn fahren?
Ich denke, die Frage wäre beim Blick auf die Bilder geklärt, oder? Für Giethoorn sollte man einen ganzen Tag einplanen. Zwar ist das Dorf nicht allzu groß, aber wer es einmal komplett ablaufen will und ab und zu Pausen zum Ausruhen oder Fotografieren macht, braucht schon drei bis vier Stunden.
Funfact: Im Infopoint des örtlichen Tourismusbüros verkaufen sie eine Monopoly-Weltedition, auf der auch Giethoorn ist. Es gesellt sich auf dem Spielbrett zu Städten wie Madrid, Montreal und Sydney.
Häufige Fragen zu Giethoorn
Wie viel Zeit sollte man für Giethoorn einplanen?
Für einen ersten Eindruck reichen etwa drei bis vier Stunden. Wer zusätzlich ein Boot mieten, essen gehen und bis zum Bovenwijde laufen möchte, sollte eher einen halben bis ganzen Tag einplanen.
Kann man Giethoorn ohne Boot besuchen?
Ja. Der historische Dorfkern lässt sich sehr gut zu Fuß erkunden. Eine Bootsfahrt lohnt sich trotzdem, weil man die Häuser, Gärten und Brücken vom Wasser aus noch einmal aus einer anderen Perspektive sieht.
Was kostet ein Boot in Giethoorn?
Die Preise unterscheiden sich je nach Bootstyp, Anbieter und Mietdauer. Kleine Fluisterboote gibt es teilweise ab etwa 25 Euro, größere oder komfortablere Boote kosten mehr. Geführte Rundfahrten starten teilweise schon bei rund 12 bis 15 Euro pro Person.
Wo kann man in Giethoorn parken?
Rund um den historischen Ortskern gibt es mehrere ausgewiesene Parkplätze. Viele davon sind kostenlos. Von dort erreicht man die Grachten meist in wenigen Minuten zu Fuß.
Wann ist die beste Zeit für einen Besuch in Giethoorn?
Angenehm sind vor allem Frühjahr und Herbst sowie die frühen Morgenstunden. An sonnigen Sommerwochenenden und in den Ferien kann es deutlich voller werden. Unser Besuch im September war vergleichsweise entspannt.
Ist Giethoorn sehr touristisch?
Ja, Giethoorn ist längst kein Geheimtipp mehr. Gerade an Wochenenden und in der Hauptsaison kann es voll werden. Wer außerhalb der Stoßzeiten kommt, findet aber weiterhin viele ruhige Ecken und kann den Ort deutlich entspannter erleben.
Giethoorn als Tagesausflug: So würde ich den Besuch heute planen
Wenn ich noch einmal nach Giethoorn fahren würde, würde ich für den Ort tatsächlich einen ganzen Tag reservieren. Nicht, weil es dort unendlich viel zu besichtigen gäbe, sondern weil Giethoorn am schönsten ist, wenn man sich etwas treiben lässt. Wer nur durch den Dorfkern läuft, ein paar Fotos macht und danach wieder ins Auto steigt, hat zwar das Wichtigste gesehen, verpasst aber einen Teil der Atmosphäre.
Ich würde möglichst am Vormittag ankommen und zunächst zu Fuß durch den historischen Teil laufen. Dann sind die Wege und Grachten meist noch etwas ruhiger und man bekommt ein gutes Gefühl dafür, wie das Dorf aufgebaut ist. Für den Spaziergang würde ich mindestens ein bis zwei Stunden einplanen.
Danach gehört für mich eine Bootsfahrt dazu. Dabei muss es nicht unbedingt eine geführte Rundfahrt sein. Gerade mit einem kleinen Mietboot kann man die Grachten im eigenen Tempo erkunden und anschließend bis auf den Bovenwijde hinausfahren. Wer selbst fahren möchte, sollte allerdings besonders an Wochenenden und in der Hauptsaison vorher reservieren.
Für den Nachmittag würde ich mir noch Zeit für den Bovenwijde und eine Pause am Wasser lassen. Wer danach noch Lust auf Natur hat, kann den Besuch außerdem mit dem Nationalpark Weerribben-Wieden verbinden. Das Gebiet umfasst mehr als 10.000 Hektar und ist von Seen, Kanälen, Schilfflächen und sumpfigen Wäldern geprägt. Erkunden lässt sich die Landschaft zu Fuß, mit dem Fahrrad oder natürlich ebenfalls vom Wasser aus.
Mein idealer Ablauf für einen Tagesausflug sähe deshalb ungefähr so aus:
- Vormittags ankommen und den historischen Dorfkern zu Fuß erkunden
- Anschließend ein Boot mieten oder eine Rundfahrt machen
- Mittags oder am frühen Nachmittag an einer der Grachten einkehren
- Zum Bovenwijde laufen oder fahren
- Bei genügend Zeit noch einen Abstecher in den Nationalpark Weerribben-Wieden machen
Wer nur Giethoorn sehen möchte, braucht dafür keinen minutiös geplanten Tagesablauf. Gerade das langsame Herumlaufen, Fotografieren und Sitzen am Wasser gehört für mich zum Reiz des Ortes. Wenn ihr allerdings an einem sonnigen Wochenende oder während der Ferien kommt, würde ich zumindest das Boot vorher buchen.

PS: Wenn ihr nach Giethoorn noch mehr Lust auf die Niederlande habt, findet ihr auf ruhrwohl noch ein paar weitere Tipps: Einmal Holland und zurück: Warum sich die Niederlande auch für einen spontanen Tagesausflug aus dem Ruhrgebiet lohnen oder Urk am IJsselmeer: Ein kleines ehemaliges Fischerdorf, das sich auch gut als Ausgangspunkt für einen Ausflug nach Giethoorn eignet oder Amsterdam Noord: Mein Tipp für alle, die Amsterdam einmal abseits der klassischen Grachtenkulisse erleben möchten :)!
Zum Pinnen :)!





wie aus dem bilderbuch! <3 mir wurde giethoorn tatsächlich vor jahren mal empfohlen, aber ich hab es irgendwie nur bis nach zwolle und kampen geschafft … pack ich das dörfchen doch gleich mal auf die holland liste zu den nationalparks, von den haben die nachbarn ja so einige. danke für diese hübschen bilder, die entspannen mich schon beim anschauen!
[…] Zudem war die Pension günstig und der Vermieter sehr nett. Highlight der Tour: Die Stadt Giethoorn mit ihren vielen Grachten, den Reet-Häuschen und den lustigen […]
[…] ich euch unmittelbar nach meinem IJsselmeer-Trip im September von Giethoorn vorgeschwärmt hatte, verging mir die Lust, auch noch die anderen holländischen Städtchen in […]
[…] ist auch am IJsselmeer eine Wucht. Glaubt ihr nicht, dann schaut euch mal meine Beiträge zu Giethoorn und Urk […]
Das steht auch schon auf meiner Reise-Wunschliste und ich hatte für das vergangene Wochenende sogar ein Hotel gebucht für drei Freundinnen und mich.
Aus zwischenmenschlichen Gründen musste ich das Wochenende leider absagen, hoffe aber sehr darauf, diesen Ort bald mal LIVE zu sehen!!!
Oh nein, wie schade. Wir hatten damals auch viel Glück. Im Nachgang haben mir einige geschrieben, dass es dort manchmal brechend voll sei und man kaum ein Bein auf den Boden bekäme. Das hielt sich bei uns noch sehr in Grenzen.
ich bin über Frl. Ordnung zu dir gekommen und lese mich gerade fest 🙂 Haarlem und Zandvoort war ich schon (will aber unbedingt nochmal), aber Giethoorn steht schon ganz lang auf meiner Reiseliste. Vielleicht in diesem Herbst. Ganz tolle Bilder! Fotografierst du mit einer Kamera oder mit dem Handy?
Liebe Grüße aus Bayern!
Vielen lieben Dank. Die Fotos sind alle mit einer Spiegelreflex gemacht worden. Liebe Grüße und viel Spaß dort. Ist wirklich sehr schön 🙂