Was mich im Dezember beschäftigt hat

Es ist zwar erst Mitte Januar, aber der Dezember ist gefühlt schon meilenweit entfernt. Dennoch gebe ich wie in den vergangenen Monaten auch einen kurzen Überblick: Was hat mich im Dezember beschäftigt? Welche Fragen habe ich mir gestellt, was hat mich begeistert, sauer gemacht oder nachdenklich werden lassen.

Here we go.

Wie kann man den Spirit des Weihnachtswunders behalten?

Ich war einen Abend beim WDR 2 Weihnachtswunder. Mitten in der Essener Innenstadt, vor dem gläsernen Studio, in dem mehrere Tage lang durchgesendet wird, um Spenden gegen Hunger und Not zu sammeln. Musikwünsche gegen Spenden, Live-Moderation, viele Gespräche, viele kleine und große Gesten von Menschen, die etwas beitragen wollen.

Was dort entsteht, ist ein temporärer Ausnahmezustand. Fremde kommen ins Gespräch, bleiben stehen, hören zu. Solidarität wird sichtbar und greifbar. Niemand muss erklären, warum das sinnvoll ist. Die Bereitschaft zu helfen liegt einfach in der Luft.

Gleichzeitig stellt sich genau dort die entscheidende Frage: Wie lässt sich dieser Spirit über die Tage hinaus tragen? Das Weihnachtswunder funktioniert als Verdichtung. Fünf Tage Aufmerksamkeit, ein klarer Zweck, ein gemeinsames Ziel. Danach geht der Alltag weiter und mit ihm oft auch die Distanz.

Der Abend hat mir nicht die Illusion gegeben, dass sich alles leicht lösen lässt. Aber er hat gezeigt, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt kein abstrakter Begriff ist. Er entsteht, wenn Menschen Räume bekommen, in denen er gelebt werden kann. Die eigentliche Aufgabe beginnt danach.

Die Sache mit dem Baum. Sollte ich mal einen künstlichen kaufen?

Jedes Jahr kaufe ich einen echten Weihnachtsbaum. Geschlagen, nicht im Topf, nicht aus Plastik. Und ich mag das sehr. Der Baum steht bei mir meist von Mitte Dezember bis Mitte Januar im Wohnzimmer. Er gehört einfach dazu. Der Geruch, die Präsenz, dieses klare Zeichen: Jetzt ist Winter, jetzt ist eine andere Zeit.

Der Schmuck ist seit vielen Jahren derselbe. Schlicht, zurückhaltend, ohne jedes Jahr neu erfunden zu werden. Viel Braun, Schwarz und Beige. Papierornamente, weiße Kugeln, ein paar schwarze Metallteile. Und trotzdem stellt sich irgendwann die Frage: Wäre ein künstlicher Weihnachtsbaum nicht nachhaltiger? Einmal kaufen, viele Jahre nutzen, kein Fällen, kein Nadeln, kein Entsorgen. Klingt zunächst logisch. Und ja, rein rechnerisch kann ein Kunststoffbaum ökologisch sinnvoll sein, wenn er sehr lange genutzt wird. Studien sprechen oft von zehn bis zwanzig Jahren, je nach Material und Herkunft.

Gleichzeitig ist das nicht die ganze Wahrheit. Die meisten künstlichen Bäume bestehen aus PVC, werden in Asien produziert, haben lange Transportwege und lassen sich kaum recyceln. Wenn sie irgendwann doch ersetzt werden, landen sie als Sondermüll. Nachhaltig ist das nur unter sehr strengen Bedingungen und mit viel Disziplin.

Der echte Baum dagegen ist ein Naturprodukt. In Deutschland werden Weihnachtsbäume gezielt angebaut, binden während ihres Wachstums CO₂ und stammen oft aus regionalen Kulturen. Vorausgesetzt, man kauft keinen Importbaum und entsorgt ihn sinnvoll, etwa über die kommunale Sammlung oder als Biomasse.

Ich kaufe keinen Baum jedes Jahr neu, weil ich gedankenlos konsumiere, sondern weil er für mich Teil eines Rituals ist, das sich bewährt hat. Ich kaufe regional, behalte meinen Schmuck, übertreibe es nicht. Das fühlt sich stimmig an. Für mich bleibt es daher vorerst beim echten Baum.

Geht politische Zusammenarbeit auch ohne Dauerstreit?

Im Dezember war ich auf Einladung der Grünen im Landtag von Nordrhein-Westfalen. Es begann mit einem Essen in der Kantine, bei dem man die anderen Teilnehmenden kennenlernen konnte. Gespräche entstanden beiläufig, ohne feste Agenda. Menschen aus unterschiedlichen Kontexten saßen zusammen, tauschten Perspektiven aus, hörten einander zu.

Danach folgte eine kurze Führung durch das Gebäude – ein Blick hinter die Kulissen parlamentarischer Arbeit. Nüchtern, aber hilfreich, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel Alltag in Politik steckt.

Im Anschluss ging es in die inhaltliche Diskussion mit Julia Eisentraut. Thematisch deutlich ernster, als es Mandarinen und Lebkuchen zunächst vermuten ließen. Es ging um rechtsextreme Positionen im politischen Raum, um Hochschulpolitik und um die Frage, wie demokratische Kräfte im Landtag miteinander umgehen.

Der Ton war offen, respektvoll und erstaunlich differenziert. Keine Schlagworte, keine ritualisierten Feindbilder. Stattdessen der Versuch, politische Realität nüchtern zu analysieren und handlungsfähig zu bleiben. Gerade das machte das Gespräch glaubwürdig.

Die Zusammenarbeit in NRW zwischen CDU und Grünen ist sachlich, pragmatisch, oft konstruktiv. Wenn man ausschließlich die Bundespolitik der Union verfolgt, wirkt das fast widersprüchlich. Dort dominiert häufig Zuspitzung und Abgrenzung. Hier hingegen scheint der Wille vorhanden zu sein, demokratische Verantwortung über Parteigrenzen hinweg ernst zu nehmen.

Das hat mir ein kleines bisschen Hoffnung gegeben, dass politische Kultur nicht zwangsläufig im Dauerstreit enden muss. Dass es möglich ist, klare Haltung gegen rechts zu zeigen und trotzdem respektvoll miteinander zu arbeiten. Wenn das auf Landesebene funktioniert, ist zumindest denkbar, dass auch bundesweit wieder andere Zeiten anbrechen könnten. Zeiten, in denen es weniger um Spaltung geht und mehr um Lösungen.

Kein Abend mit großen Parolen. Aber einer, der gezeigt hat, dass demokratische Zusammenarbeit kein leeres Versprechen sein muss. Und manchmal reicht genau das, um nicht zynisch zu werden.

Kann man in Bochum noch etwas Neues entdecken?

Im Dezember war ich mit Freund:innen in der Bar Narodowa im Bermudadreieck in Bochum. Ein eher spontaner Besuch. Es war super nett, unaufgeregt, herzlich. Und vor allem: endlich mal etwas ganz anderes als die üblichen Bars, die man hier sonst so kennt.

Die Narodowa ist klar polnisch geprägt, ohne folkloristisch zu wirken. Viel Holz, eine dichte Bar-Atmosphäre, dazu eine beeindruckende Auswahl an Wodkas und osteuropäischen Getränken. Man merkt schnell, dass hier jemand ein Konzept verfolgt und nicht einfach nur eine weitere Bar betreibt. Das Angebot wirkt bewusst zusammengestellt, nicht beliebig.

Ich hatte die vegane Platte. Deftig, würzig, sehr nah an dem, was man aus der polnischen Küche kennt, nur eben vegan. Gute Gespräche, ein anderes kulinarisches Angebot und das angenehme Gefühl, etwas entdeckt zu haben, das aus dem Rahmen fällt – ein guter Abend insgesamt. Ich war ehrlich froh, mal wieder etwas Neues zu sehen. Genau dafür gehe ich abends aus.

PS: Ich weiß nicht, was ich im Januar schreiben soll. Ich bin so obsessed aktuell mit der kanadischen Serie Heated Rivalry. Das könnte einseitig werden ;)! Habt ihr sie schon gesehen?

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